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Nicht so bei Sea Change. Becks trunkene, geradezu im Delirium befindliche Darbietung scheint das Gefühl von Weltschmerz noch zu verstärken. Aber traurig bedeutet nicht unbedingt schaurig. Es gibt daher trotz der düsteren Klangfarben vieles zu loben, nicht zuletzt die Rückkehr des Produzenten Nigel Goderich (Mutations, Radiohead), der Becks finstere Stimmung in eine verträumte, wärmende Hülle von sanften Streichinstrumenten, schwebenden Pfeiftönen und Murmeln einhüllt. Wie bei Daniel Lanois geht es bei Goderich immer um Ausstrahlung, und selbst die knochentrockensten Songs von Beck profitieren von der wogenden Atmosphäre.
Dies ist vor allen Dingen bei "Paper Tiger" der Fall, einem ruhelosen, sich langsam aufbauenden Epos, das auf unglaubliche Weise von einem zäh spielenden Orchester und Becks ausdruckslosem Brummton angetrieben wird. Die pechschwarze Stimmung von "Round The Bend" -- inem eisigen, langsamen Klagelied mit gedämpftem Gesang -- mag zwar das Düsterste sein, was Beck jemals geschrieben hat, wenn man von dem so grausigen "Already Dead" absieht. Ganz gleich was sich in Becks Welt abspielt, wir wissen zumindest, dass er alles in allem Buße tut, was für seine eigene Seele besser sein wird als für unsere. --Kim Hughes
Dabei ist es schon fast sadistisch, wenn man es schön findet einen Menschen leiden zu hören. Aber wenn bei allgemeinen Depressionen so schöne Songs entstehen wie "Guess I'm doing fine" oder das bombastische Striecherinferno "Lonesome tears", dann wünscht man sich, dass es Beck ewig schlecht ergeht. Denn diese Platte geht zu Herzen, mehr als alles andere was der selbstbetitelte Loser fabriziert hat. Er hält sich textlich sehr zurück und Zeilen wie "The skin of the robots vibrates with pleasure/ Their hangranade eyes, invalid and blind!" sucht man vergebens. Nun sagt Beck was er fühlt, ohne Umschweife und so direkt, dass es manchmal fast schon weh tut ("It's only lies that I'm living/ It's only tears that I'm crying/ It's only you that I'm losing/ Guess I'm doing fine...").
Spätestens bei "Sunday Sun" oder beim fantastischen Schlusslicht "Side of the road" sollte selbst der hartgesottenste Beck-Hasser eine Gänsehaut bekommen. Vergessen ist der doch recht mittelmäßige Ausrutscher in Richtung Funk mit "Midnight Vultures", nun gehts auf zu neuen Ufern und das mal wieder mit einem Stilwechsel der anderen Musikern wohl das Genick gebrochen hätte. Herr Hansen hat dieses mal jedoch einen sehr mutigen Schritt gemacht, weg von dem was ihn ausmachte (witzige Lyrics und Soundexperimente) hin zu dem, was er jetzt - oder besser gesagt im Moment - ist...einem reinen Singer/Songwriter. Dabei hat er auf ganzer Linie gepunktet.
Für mich ist "Sea Change" das beste aller Beck Alben.
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