Eins vorweg: ich bin eigentlich kein Mann der großen Worte, noch würde ich mich selbst als übermäßig sentimental bezeichnen.
Aber nachdem ich nun alle Scrubs Seasons bereits mehrfach gesehen habe ' und bei den aktuellen Rezensionen noch niemand darauf eingegangen ist, was Scrubs eigentlich genau ist ' möchte ich hier bestmöglich versuchen, das zu tun. Nach dieser langen, unterhaltsamen Zeit, die ich mit Scrubs verbracht habe, werde ich tatsächlich das Gefühl nicht mehr los, es der Serie irgendwie schuldig zu sein.
Was nun folgt ist natürlich nur meine persönliche Meinung, und Meinungen gehen bekanntlich auseinander. Und auch wenn die meisten, die das hier lesen werden, Scrubs bereits mehr oder weniger gut kennen ' vielleicht kann ich dennoch dem Einen oder Anderen etwas Neues erzählen, und ihn/sie zum Kauf dieser grandiosen Serie bewegen (nicht dass es mir etwas bringen würde, aber vielleicht hat diese Person dann genauso viel Spaß daran wie ich, und dann hat sich dieser Text ja schon gelohnt).
Es ist für mich eigentlich schier unmöglich in Worte zu fassen, wie fantastisch ich Scrubs finde. Oder auch anders gesagt: wie überrascht ich nach den ersten paar Episoden über die Emotionen war, die diese 'stinknormale TV-Serie' in mir auslöste.
Letztendlich ist und bleibt es immer Geschmacksache, aber zumindest bei mir trifft Scrubs in restlos allen Disziplinen voll ins Schwarze. Allem voran die schauspielerische Leistung ALLER (Haupt)Darsteller, aber auch die Geschichten, die Figuren und wie sie miteinander harmonieren, Comedy, Emotionen, Slapstick, Soundtrack, Regie - einfach alles. Es gibt wirklich NICHTS zu bemängeln. Gerade die Slapstick Elemente sind genial. Ich liebe es einfach, wenn Leute gegen Türen oder Glasscheiben knallen, aus dem Fenster fallen oder sonst wo drüber stolpern.
Die Gags kommen meist Schlag auf Schlag, so dass man sich oft kaum noch einkriegt vor Lachen. Durch die großartige Idee der Fantasie Sequenzen (auch wenn das nicht neu erfunden wurde) ergibt sich die Möglichkeit, diverse Gags mit schier unendlicher Übertreibung (und unglaublich komisch) darzustellen, jedoch die Story trotzdem noch glaubhaft wirken zu lassen ' es war ja nur eine Fantasie.
Versteht mich nicht falsch, ich mag auch Comedys wie Al Bundy, Two and a half Men oder King of Queens, aber diese Serien zielen halt 'nur' ständig auf die Lachmuskeln der Zuschauer (und treffen wohl auch oft :-), aber mehr ist es dann nicht. Man sieht sich eine Folge an, hat seinen Spaß, und das war's - anschließend denkt man nie wieder darüber nach. Auf der anderen Seite gibt es noch 'ernstere' Serien wie beispielsweise Emergency Room, Akte X etc., die auf eine spannende bzw. dramatische Handlung aufbauen, dafür jedoch wenig bis gar nichts an witzigen Inhalten liefern.
Und dann kommt plötzlich Scrubs. Und verbindet Comedy und Dramatik so nahtlos und perfekt, wie ich das vorher nicht einmal ansatzweise für möglich gehalten hätte.
Oft sitzt man emotional mitgenommen und mit feuchten Augen vor dem Fernseher, nur um 20 Sekunden später laut loslachen zu müssen (der nächste Brüller lässt in der Regel nicht lange auf sich warten!) ' und umgekehrt. Dass das so unglaublich makellos funktioniert ist für mich sehr faszinierend, es ist etwas das ich vorher noch nie bei Filmen oder Serien gesehen habe (und ich kenne relativ viele Serien). Genau genommen wird das sonst einfach nirgendwo versucht zu bewerkstelligen, und das macht Scrubs so einzigartig.
Die einzelnen Szenen bzw. Geschichten wirken dabei wirklich NIE übertrieben, kitschig oder unpassend ' in jeder Episode verbirgt sich eine Botschaft. Faszinierend für mich ist auch, dass eigentlich gnadenlos über heikle Themen wie Rassismus, Krankheiten, Tod der Patienten usw. geblödelt und gelästert wird, es aber immer im Rahmen bleibt und ich nie das Gefühl hatte, dass mit diesen Themen in irgendeiner Weise respektlos umgegangen wird. Die Gürtellinie wird also direkt getroffen, aber es geht nie darunter.
Zugegeben, viele andere Serien wirken von der Aufmachung her professioneller und deren Handlung etwas realistischer. In jeder anderen Krankenhausserie würde beispielsweise bei einem taubstummen Patienten ein eigener Dolmetscher in die Serie geholt werden, bei Scrubs macht es einfach der Hausmeister. Nicht weil man dachte, dass dies unbedingt die naheliegendste Entscheidung sei, sondern einfach weil es gerade Spaß machte. Dies ist aber kein negativer Kritikpunkt für mich, denn so merkt man in jeder Episode, wieviel Liebe in das ganze Projekt gesteckt wurde, und dass die Dreharbeiten für alle Beteiligten enorm viel Spaß gemacht haben (und dieses Gefühl hatte ich wirklich, später wurde mir das bei den Extra's der DVDs durch und durch bestätigt). Viele Inhalte ' gerade in den späteren Staffeln ' standen nicht in dieser Form im Script, sondern landeten durch bloßes herumblödeln und Improvisation der Darsteller in der Show. Ich finde es großartig, dass die Autoren solche Möglichkeiten bieten, sogar wenn ihnen bewusst ist, dass es sich auf die Einschaltquoten auswirken könnte.
Erwähnenswert ist auch noch die Tatsache, dass Scrubs gänzlich ohne diese falschen, eingespielten Lacher auskommt, die in anderen Sitcoms Gang und Gebe sind und einfach irgendwie künstlich die Witze markieren.
Jeder einzelne (Haupt)Charakter ist unglaublich gut durchdacht und interessant, jeder von ihnen erzählt seine eigenen Geschichten. Sei es JD, aus dessen Sicht wir die meisten Episoden erleben dürfen, und dessen Freundschaft zu Turk niemals und durch nichts gefährdet werden kann. Oder die anfangs enorm tollpatschige Elliot, die mit Händen und Füßen nach Erfolg und Anerkennung ringt ' und es bis zum Ende der Serie auch tatsächlich schafft. Dr. Cox, dessen Beziehung zu seiner Frau Jordan umso besser funktioniert, je mehr sie sich gegenseitig fertig machen, Chefarzt Dr. Kelso, dessen zuckersüße Fassade sein knallhartes wirkliches Wesen verbirgt '. Der Hausmeister, der keinen Namen hat und JD das Leben in der Klinik zur Hölle machen will '. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Selbstverständlich wären die Charaktere nicht so enorm glaubhaft, würden sie nicht von diesen grandiosen, exzellenten Darstellern gespielt werden. Es wirkt tatsächlich so, als wäre jedem seine Rolle an den Leib geschrieben worden. Ich kann und will mir in keiner dieser Rollen einen anderen Schauspieler vorstellen.
Und dennoch muss ich zwei davon ganz besonders hervorheben, der erste ist John C. McGinley als Dr. Cox.
Die Person Perry Cox ist wohl eine der faszinierendsten und interessantesten TV-Charaktere des letzten Jahrhunderts. Einfach alles an ihm ist unglaublich spannend, die ganze Serie lebt von dieser hoch interessanten Beziehung zwischen Cox und JD. Schon zu Beginn der 1. Staffel wird Cox (unfreiwillig) eine Art Vaterfigur für JD, der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Umarmung, eine Berührung, wenigstens ein Lob oder sonst irgendeine Art von Zuneigung von seinem großen Vorbild ' bekommt sie jedoch nicht.
Und doch kommt ein- bis zweimal pro Staffel zwischen all den Gemeinheiten der weiche Kern von Dr. Cox zum Vorschein, wodurch er eine unglaublich tiefe Persönlichkeit bekommt.
Man wünscht sich ständig, er würde JD doch einfach mal zeigen, wie er in Wahrheit über ihn denkt. Ihm einfach mal auf die Schulter klopfen oder ihm nach dem Tod eines Patienten Mut zusprechen. Selten aber doch passiert das dann tatsächlich (in der Regel dann wenn er erkennt, dass JD WIRKLICH Hilfe braucht, beispielsweise ist er nach dem Tod von JDs Vater für ihn da), und diese Momente sind dann einfach nur großartig.
Dass diese Figur so toll funktioniert ist, wie ich finde, zu einem großen Teil auf die (gerade in dieser Rolle) UNFASSBAREN schauspielerischen Leistungen von McGinley zurückzuführen. Es ist, als wäre er für diese Rolle geboren worden. Er ist zu 100% Cox. Cox ist zu 100% McGinley (Gott sei Dank nur vor der Scrubs Kamera :-). Ohne einen Darsteller wie ihn würde diese Figur (glaube ich zumindest) nicht funktionieren. Egal wo, wie und wann Dr. Cox erscheint, ob launisch, zynisch, verzweifelt, oder völlig am Boden, McGinley macht das in einer Perfektion, die ich zum letzten Mal bei Michael Emerson in LOST gesehen habe (er spielte Benjamin Linus). Vor allem seine langen Monologe in Kombination mit seinen unglaublichen, stets passenden Gesichtsausdrücken lösen Kinnladeneffekt ohne Ende aus.
Kurzum: Diese Kombination zwischen Cox und McGinley ist (in meinen Augen) der Träger der Serie, DIE Art von Schlüsselfigur, die man sonst nirgends findet. ER ist es, der Scrubs von anderen Sitcoms nochmal ein Stück weiter abhebt. Die emotionalsten Momente der Serie entstehen sehr oft durch ihn. Ich weiß nicht, was es ist ' aber er hat es. Und das hebt ihn für mich persönlich nochmal eine Stufe über die enorm guten Leistungen der anderen Darsteller, und das will echt was heißen.
es gibt nämlich noch jemanden, den ich besonders hervorheben möchte. Und das ist Neil Flynn als Hausmeister.
Zum Einen ist (wie auch schon bei Dr. Cox) die Person des Hausmeisters unglaublich gut und einzigartig.
Schon alleine die Tatsache, dass niemand seinen Namen kennt.
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