Wie üblich habe ich einer neuen CD einige Tage und noch mehr Durchläufe im Player zugestanden, bis ich mich zu einer Rezension hinreißen lasse. Zwiegespalten ist mein Eindruck jedoch nach wie vor, wenn's um Ozzys Neue geht!
Ich kann mich auch für "Scream", ebenso wie für "Black Rain" (2007) oder "Down to Earth" (2001) nicht uneingeschränkt erwärmen. Zugegeben, die Produktion ist meiner Meinung nach nicht mehr so dumpf wie bei den Vorgängern (vor allem DTE) aber eben auch unheimlich glatt, eben zu glatt. Dass Ozzys Stimme inzwischen teilweise bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und nachbearbeitet wird, ist längst kein Geheimnis. Aber der Hauptkritikpunkt - und da kann ich mich Teilen meiner Vorredner nur anschließen - ist: Man versucht die größtenteils fehlende Melodiösität der Songs durch pure Härte und Düsternis auszubügeln, was nicht wirklich gelingt. Ozzys Songs haben doch stets sowohl Melodie als auch die geilen Riffs ausgezeichnet. Schöne Harmonien werden auf "Scream" höchstens "angedeutet", wohlwollend ausgedrückt. Natürlich erwarte ich im Jahr 2010 kein neues "Crazy Train" oder "Mr. Crowley" ... auch wenn ich's mir irrationalerweise jedes Mal erhoffe! :-)
Aber als Referenz könnte doch zumindest "Ozzmosis" (1995) herhalten; mein persönliches Lieblingsalbum von Ozzy, das für mich genau den richtiges Mittelweg aus harten Riffs und grandiosen Harmonien darstellt: Man denke nur an "Perry Mason" oder überhaupt fast alle anderen Songs dieser Platte.
Für mich sind auf "Scream" auch die beiden (Halb)-Balladen "Life Won't Wait" und "Time" nicht ganz überzeugend, wenn auch ganz ordentlich. Was die Balladen angeht muss ich mich allerdings outen und zugeben, dass mir ehrlich gesagt ein weiterer "Dreamer"-Clon (so wie "Here For You" auf Black Rain) lieber gewesen wäre. Ich weiß, viele können sich für schlager'esquen Töne nicht begeistern, aber es wäre zumindest klanglich eine Abwechslung auf "Scream" gewesen. Den Schlussakt des Albums, den quasi-Track "I Love You All", halte ich für genauso überflüssig wie "You know ..." von "Down To Earth", aber immerhin hat er sich nicht idiotischerweise in die Mitte des Albums verirrt, sondern steht am Ende, ähnlich einem Hidden Track.
Positiv dagegen bewerte ich die Gitarrenarbeit des neuen Gitarristen Gus G. sowie die Tracks "Let It Die", "Diggin' Me Down" und "Let Me Hear You Scream" (mit einigen Abstrichen vielleicht noch "I Want It More"). Diese drei ersteren sind für sich alleine genommen sicher nicht herausragend in Ozzys Oeuvre, doch traue ich diesen gelungenen Songs zumindest ein gewisses Live-Potential zu. Dass ein anderer Songs des Albums außer diesen dreien (mal von einer eventuellen Ballade abgesehen) jemals den Weg in die Setlist eines Ozzy-Konzerts finden wird, halte ich ehrlich gesagt für ziemlich ausgeschlossen.
Fazit: Schwierig ... kein herausragend großer Wurf, aber doch ein paar Lichtblicke. Vielleicht liege ich bei meinem Schwanken zwischen 3 und 4 Sternen letzlich mit vier ein wenig hoch, aber halbe Sterne gibt's bekanntlich nicht (Warum eigentlich, amazon?). Eins kann man jedenfalls von "Scream" behaupten, nämlich dass sich Mr. Osbourne mit seiner neuen Scheibe nicht selbst demontiert hat, wie es ein paar Spötter sicher befürchtet und sogar gehofft hatten!