... hinterlässt "Scream 4" einen bleibenden Eindruck.
Nach vielen Jahren kehrt Sidney Prescott nach Woodsboro zurück, wo sie dem Tod nur knapp entkommen ist, um für ihr Selbsthilfebuch zu werben. Kaum ist sie in ihrer alten Heimat angekommen, beginnt eine neue Mordwelle.
Regisseur Wes Craven gelingt es wiedermal, Sympathie für seine Figuren zu wecken; für Sydney, die in sich gekehrt wirkt, obwohl sie meint, sie habe mit der Vergangenheit abgeschlossen, für den Gesetzeshüter Dewey, der trotz seiner Beförderung zum Sheriff wie ein Kind im Körper eines Mannes wirkt, für seine Ehefrau Gale, die einst thoughe Reporterin, die in eine Daseinskrise gestürzt ist. Man hat ihre Höhen und Tiefen erlebt. Man fiebert mit ihnen mit.
Wie in allen anderen "Scream"-Teilen erzeugt der Regisseur Spannung ohne wackelige Bilder, die einen Live-Filmen-Effekt evozieren sollen, ebenso ohne verregnete oder stürmische Abende, wie es in vielen Filmen der Fall ist. Überhaupt gefällt mir, dass die Szenen in Woodsboro bei Sonnenschein gedreht werden. Dadurch wird der Kontrast zwischen der scheinbar sonnigen, hellen und freundlichen Stadt und den grausigen Dingen, die in ihr vorgehen, umso extremer.
In diesem Teil hat man immer wieder ein Dejavu-Erlebnis, weil die ein oder andere Szene bewusst an die des ersten Teils erinnert. Wer allerdings glaubt, "Scream 4" wäre die Kopie vom ersten Teil, der irrt. Denn Wes Craven weiß die Zuschauer geschickt auf eine falsche Fährte zu locken ... selbst wenn die wahre Identität des Killers nicht wirklich überrascht. Das Motiv ist zwar einigermaßen glaubwürdig, aber nicht wirklich glaubhaft. Andererseits, wie im ersten Teil bereits gesagt wurde: Motive tun nichts zur Sache. In anderen Worten: Ein so genannter "normaler" Mensch wird einen Mörder niemals verstehen.
Ich hätte mir gewünscht, Sidney würde noch mehr in den Vordergrund rücken, bzw. dass man ein bisschen mehr Einblick in ihr Seelenleben erhält. Doch im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.
Die gesamte "Scream"-Filmreihe gehört zu den wenigen Filmen, die gekonnt Humor, Ironie und Thriller vereinen. Kaum entspannt man sich, weil die Atmosphäre durch Witze aufgelockert wird, sind die Nerven schon bei der nächsten Szene fast zum Zerreißen gespannt.
Wen überrascht es nach diesem Film also, dass man plötzlich wieder "Scream", den ersten Teil, sehen will?