...dass auch das Oeuvre des norwegischen Trios neu aufgelegt wird? Zum Ende der Bandgeschichte ist es nun endlich soweit.
Nicht unbedingt selbstverständlich, jedoch im Falle des zweiten Studioalbums von A-Ha Tatsache: Einhellig loben ein großer Teil der Fans sowie die Kritik "Scoundrel Days" bis heute als das stärkste Album der Band. Und tatsächlich: Die Dynamik, Melancholie und Tiefe, die schon zu Beginn mit dem Titelstück und anschließend "The swing of things" offenbar wurden, sollten sie auf diese Art nie mehr hinbekommen. In dieser Rezension geht es um die Deluxe-Auflage, also um die Qualität des Remasterings, das Bonusmaterial sowie die Gestaltung.
Auf der ersten CD findet sich das Studioalbum, gefolgt von den originalen Maxi-Versionen der ausgekoppelten drei Singles. Auf der Bonus-CD finden sich die Demo- und Live-Versionen sowie die B-Seiten. Wobei es ohnehin nur eine exklusive B-Seite gab, nämlich "This alone is love", die sich seinerzeit auf der Rückseite von "I've been losing you" befand (von der Live-Aufnahme "We're looking for the whales", der B-Seite der letzten Single "Manhattan skyline, einmal abgesehen). Die Dub-Version von "I've been losing you" übrigens, damals auf der Maxi-Single enthalten, fehlt.
Auch wenn man bei so genannten Demo-Versionen nie weiß, ob man die nun wirklich gehört haben muss, oder ob bei der Plattenfirma jemand einfach in den Keller steigt um zu schauen, was sich noch zusammenkratzen lässt, wird man in diesem Fall überrascht. Allein von "Scoundrel Days" gibt es zwei interessante Demo-Versionen, besonders das "Octogon Studio Demo" ist hörenswert. Und auch die "Guitar Version" von "Soft rains of April" ist richtig interessant. Die letzten fünf Titel sind dann Live-Aufnahmen (Croydon), die ich selbst nicht unbedingt hätte haben müssen. Angesichts des Alters dieser Live-Aufnahmen sind auch dem Remaster-Prozess verständlicherweise Grenzen gesetzt. Was generell die Soundqualität angeht, kann man mehr als zufrieden sein. Dafür, dass das Album rund 25 Jahre auf dem Buckel hat, klang für mich schon die "alte" Version gut produziert. Die digitale Überarbeitung ist gelungen, der Sound kristallklar. Hier eignet sich zum Reinhören die Maxi-Fassung von "Cry Wolf", die druckvoll durch die Boxen rauscht.
Als einziger Non-Album-Track findet sich "Days on end" von der Bonus-CD, ein überraschend gelungenes Stück, das durchaus als B-Seite hätte zu Ehren kommen können. Wenn man das Digipak ausklappt, befinden sich auch hinter den Steckplätzen für die CDs großformatige Bilder, die zusammen mit dem Booklet die Gestaltung ansehnlich hervorheben. Kieron Tyler hat anläßlich der Wiederveröffentlichung im Booklet einen informativen Essay zur Entstehungsgeschichte des Albums geschrieben, der zeigt, in welch kurzen Zeiträumen in den Achtzigern die ersten Alben der Norweger erschienen. Und dies angesichts des Tourneeprogramms, das die Band gleichzeitig absolvierte.
Verwunderlicherweise gibt es zwei "Versionen" dieser Neuauflage, was bei diesen Collector's editions etwas ungewöhnlich ist - zumal der Preisunterschied relativ gering ist. So gibt es eine günstigere Variante, die in der gewöhnlichen Standard-Plastikhülle erscheint. Die etwas teurere Ausgabe ist die schicke Version im Digipak, die so gelungen aufgemacht ist, dass man getrost ein paar Euro mehr investieren sollte. Dafür bekommt man dann auch schicken Prägedruck (wie seinerzeit 1986 bei dem Vinyl sind die kleinen blauen Wölkchen auf dem Cover aufgeprägt) und eine schöne grafische Aufmachung. Schon damals hat gestört, dass angesichts des atmosphärischen Artworks die Vinylkäufer eindeutig im Vorteil waren.. Das gleicht diese schöne Sammlerauflage endlich ein wenig aus.