Habe die dunkelbraune Version. Eine andere gab es noch nicht, als ich mir das Gerät ca. im April 2009 zulegte. Das Gerät ist made in China. Warum immer diese Schüchternheit bei der Angabe des Herstellungslandes?
Das Gehäuse besteht aus so etwas wie folienbeklebtem Sperrholz. Die Oberfläche ist nicht etwa mit Echtholzfunier beklebt, sondern mit einer Folie mit aufgedruckter Holzoptik. Das fällt aber gar nicht weiter auf, und das Radio wirkt keinesfalls billig. Trotzdem könnte sich die wiederholte Angabe anderer Rezensenten, nämlich dass die verwendeten Materialien besonders hochwertig wären, meiner Meinung nach irreführend auf Kaufinteressenten auswirken.
Den Klang des Radios empfinde ich als angenehm ausgewogen. Besser als der Stereo-Radio/CD-Player in der Küche (etwa dieselbe Preisklasse), nicht so gut unsere Mini-Stereo-Anlage mit Zweiwege-Holzboxen. Aber meines Empfindens ideal für die vormittägliche Talksendung im Radio, die ich nun also auch von meinem Arbeitsplatz aus hören kann. Über eine klassische große Stereoanlage finde ich Radiosendungen, insbesondere Sprachbeiträge, oft unerträglich wummernd und basslastig. Bei diesem kleinen Gerät hat man fast den Eindruck, der oder die Sprecher würde(n) einem am Tisch gegenüber sitzen. Es klingt nicht blechern, es klingt nicht zischelnd, es klingt auch nicht wummernd, sondern schön ausgewogen nach kleinem, gemütlichem Retro-Radio! Der Empfang ist ausreichend gut, selbst hier an meinem Arbeitstisch, wo der Radioempfang mit Wurfantenne sonst erfahrungsgemäß nicht so der Hit ist, bekomme ich selten Probleme, was wohl auch an dem Mono-Betrieb liegt. Ab und zu muss der Lieblingssender mal nachjustiert werden, aber nicht so oft, dass es zu nerven anfangen würde. - Ich mag das Teil!
Der Modi-Drehknopf ist allerdings im Vergleich zum Tuning- und zum Volume-Regler (letzterer mit Ein-Aus-Schalter in Nullposition) etwas fummelig. Der geringere Durchmesser ist hier nicht etwa das Problem, sondern die geringere Tiefe des Drehknopfes. Man kann ihn nur außen greifen, und der Drehknopf bedient eben ausgerechnet hier eben kein leichtgängiges Potentiometer, sondern einen Drehschalter, der zum Bedienen vergleichsweise deutlich mehr Kraftaufwand benötigt (aber es geht noch). Der für den schlechten Grip indirekt verantwortliche Metallkranz, der den kleinen Drehknopf umrahmt und diesen auf diese Weise seitlich zu etwa einem Drittel abdeckt, dient aber nur zu Zierzwecken. Das ist ein bisschen doof und schlecht durchdacht. Im Badezimmer mit klammen Fingern würde ich diesen Schalter nicht so gern bedienen wollen. Allerdings dreht man an diesem ja auch nicht so häufig herum wie an den beiden größeren Drehknöpfen. Der Frust darüber hält sich also in engen Grenzen.
Wer sich ein Mono-Retro-Radio zulegt, erwartet naturgemäß kein Übermaß an Schnickschnack, sondern im Gegenteil, so etwas wie einen technischen Rückschritt hin zu mehr Gemütlichkeit. Genau dies bietet dieses Retro-Radio! Dass man das Radio zusätzlich als wohlklingenden Computerlautsprecher (Aux-Funktion) und mit eingestecktem USB-Stick sogar als etwas primitiveren MP-3-Player verwenden kann, ist natürlich eine tolle Sache, zumal sich die Sonderfunktionen überhaupt nicht störend auf das Retro-Design auswirken. Kein nerviges Geblinke, kein LCD-Display. Ich empfinde das als Wohltat. Wer sich einen MP-Player mit sämtlichen tollen Funktionen wünscht, wird sich doch sowieso kaum ausgerechnet ein technisch absichtlich rückständiges Mono-Retroradio zulegen wollen? Ich finde es vor allem toll, dass man das Gerät sowohl mit USB-Stick als auch mit SD-Speicherkarte "füttern" kann. Es gibt eine "Skip-Vor" und eine "Skip-Zurück"-Funktion und eine Skip-Funktion zum Überspringen der nächsten zehn Titel. Meiner Meinung nach ausreichend, wenn natürlich auch nicht so komfortabel wie der klassische MP-3-Player für unterwegs, "der wirklich alles kann".
Taugt das Gerät im MP-3-Modus als Wecker? - Meines Erachtens nein! Soweit ich mich erinnere, muss, sobald das eingeschaltete Gerät Strom kriegt, auch bei vorgewähltem MP-3-Modus, immer erst die Play-Taste gedrückt werden, damit der Inhalt des Sticks angespielt wird (und zwar immer von Titel 1 beginnend). Habe allerdings noch nie den Betrieb mit einer SD-Speicherkarte versucht, vielleicht ist es da anders? Glaube aber eher nicht.
Alle interessanten Fragen kann ich also auch nicht beantworten.
Ein zweiter Grund, warum das Gerät m.E. eher weniger als Wecker taugt, ist der, dass es sich, trotz hardwaremäßigem Ein-Ausschalter (Ausschalten: Herunterdrehen des Volume-Reglers bis zum "klick" auf Nullposition) dennoch nicht völlig ausschalten lässt.* Es ist immer noch ein leises Brummen zu hören (Kondensatoren?), und zwar mal lauter, mal leiser. Das Laufgeräusch meiner Laptop-Festplatte übertönt dieses leichte Brummen jedoch, deswegen ist es mir sehr spät aufgefallen. Abhilfe bei Normalbetrieb schafft entweder der rausgezogene Stromstecker, die komplett abschaltbare Steckdosenleiste, ein vom Fachkundigen anzubringender Schnurschalter (Kabel lässt sich NICHT vom Gerät abziehen) oder aber, für diese gleichermaßen anspruchsvollste wie eleganteste Methode werde ich mich wohl entscheiden), ein anzubringender Wippenschalter an der Geräterückseite, wofür ein kleines rechteckiges Stück von der Geräterückwand herausgesägt werden muss. Die zwei zuletzt aufgeführten Methoden dürften allerdings zum sofortigen Garantieverlust des so manipulierten Geräts führen. Außerdem dürfen solche Arbeiten nur von Fachkundigen mit entsprechendem Werkzeug/Material durchgeführt werden! Stromschlaggefahr! Aber blöd ist das natürlich schon, dass sich das Gerät im Auslieferungszustand nicht vollständig abschalten lässt - zumal es weder die obligatorisch-überflüssige LCD-Uhr noch den flüchtigen Senderspeicher gibt, die den Standby-Betrieb notwendig machen würden - und die spätestens beim nächsten Stromausfall gelöscht wären, oder wenn die Steckdose mal anderweitig gebraucht würde.
Von den beschriebenen kleinen Ärgernissen abgesehen ein schönes Gerät fürs Geld. China ist schließlich weit weg, und wenn da ab und zu mal plötzlich ein paar Menschen verschwinden, meine Güte! "Keine Apfelsinen aus Südafrika", das war vorgestern!
* Um Abhilfe zu schaffen, habe ich zwischenzeitlich wie angekündigt einen kleinen Wippenschalter an der Geräterückseite angebracht, um das Gerät durch Betätigen dieses Schalters komplett vom Stromnetz zu nehmen. Das funktioniert bestens. Beim Öffnen des Gehäuses verschlug es mir jedoch im Wortsinn den Atem: Eine solch hohe Konzentration an ausgedampften Formaldehyd-Dämpfen hatte ich nicht erwartet: Es ätzte mir richtiggehend in den Augen, die sogar ein wenig zu tränen anfingen. Das folienbeklebte "Holz" entpuppte sich, obwohl wesentlich dicker, als so eine Art pappig-holziges Pressmaterial, wie es auch bei Kleiderschrankrückwänden Verwendung findet. Nur das Zeug, das die hier verwendet hatten, schien förmlich in Formalin getränkt worden zu sein! Wirklich heftig - und ein weiterer Grund, dieses Gerät besser nicht ins Schlafzimmer neben das Bett zu stellen! Allerdings muss gesagt werden, dass diese Ausdünstungen durch die saubere Folienbeklebung und das gut abgeschlossene Gehäuse kaum bzw. wenn, dann nur unmerklich, in die Raumluft gelangen.