Photoshop CS5 für Digitale Fotografie richtet sich laut Klappentext an alle, die aus ihren Bildern etwas Besonderes machen wollen. Diese Beschreibung ist meiner Meinung nach etwas irreführend, lässt sie den unbedarften Leser doch eher an ein Buch über Bildlooks, Composing oder Retusche denken.
Tatsächlich geht es im Buch jedoch hauptsächlich um technische Neuerungen und Arbeitsabläufe in CS5. Namentlich: die Arbeit mit Mini Bridge, Bildoptimierungen mit Camera Raw, Freistellungswerkzeuge, Farbkorrektur, Schwarzweiss-Konvertierung, die Verwendung des in CS5 nun endlich funktionierenden HDR-Tools, Scharfzeichnungstechniken und Einstellungsoptimierungen für den Bilderdruck. Das alles klingt auf den ersten Blick langweilig. Hinter den anscheinend unspektakulären Themen verbergen sich jedoch eine Menge wirklich wertvoller Erklärungen, Tipps und Praxiserfahrungen des Autors. Und man darf nicht vergessen, dass Dinge wie die Arbeit in Camera Raw, Farbmanagement oder richtiges Scharfzeichnen ja nun wirklich die Grundlage jedes guten Bildes sind, sprich: diese Themen sollte man in aller Tiefe verstehen und umsetzen können. Und dabei hilft Kelbys Buch ungemein. Verständlich und unterhaltsam geschrieben, sind alle Kapitel logisch aufgebaut und beleuchten alle wichtigen Details, ohne dabei zum öden Nachschlagewerk zu verkommen. Die Kapitel können jeweils einzeln für sich gelesen werden, man muss sich also nicht zwingend von vorne bis hinten durchs Buch arbeiten.
Zusätzlich zu den eher technischen Kapiteln gibt es ein Kapitel, welches sich typischen Problemstellungen widmet, mit denen jeder Fotograf früher oder später zu kämpfen hat. Kelby gibt hier zum Beispiel Lösungsvorschläge zur Farbkorrektur von Innenaufnahmen, zur Korrektur von Brillenreflexionen, die Verbesserung von grauem Himmel, geblitzen Fotos oder dunklen Augenhöhlen usw. Für Einsteiger ein durchaus sinnvolles und hilfreiches Kapitel.
Und, um den Bogen zum Klappentext dann doch noch zu schlagen: es gibt zumindest auch ein Kapitel, welches sich mit Bildlooks beschäftigt. Trendige entsättigte Porträts, Grunge Look oder etwa Ein Foto in ein Gemälde verwandeln - Kelby stellt hier einige typische Bearbeitungen vor, die nicht übermäßig aufwändig sind und für Einsteiger schöne Möglichkeiten zur schnellen Bildverbesserung darstellen. Fortgeschrittene Anwender werden hier nichts Neues oder Aufregendes finden. Im Gesamtkontext des Buches macht das Kapitel aber dennoch Sinn, um Einsteigern wirklich ein Rundum-Paket an CS5 Tipps und Arbeitsweisen zukommen zu lassen.
Im letzten Kapitel von Photoshop CS5 für Digitale Fotografie stellt Kelby kurz seinen eigenen Workflow vor. Das ist eine nette Idee und bringt das Buch zu einem runden Ende.
Vervollständigt wird der Inhalt durch die beiliegende DVD mit dem Originalmaterial der Workshops im Buch zum Selber-Ausprobieren.
Und sonst so?
Was mir neben dem gut aufbereiteten und wissenswerten Inhalt des Buches besonders an Photoshop CS5 für Digitale Fotografie gefällt, sind Kelbys wunderbarer Schreibstil und seine eigenwilligen Kapiteleinführungen. Beides lockert das Buch enorm auf und macht das Lesen zu einem wirklichen Vergnügen. Auch gibt es nichts im Buch, worüber man wirklich meckern könnte. Sicher ist nicht für jeden jedes Kapitel gleichsam interessant; die Dichte relevanter Informationen ist jedoch durchgehend so hoch, dass man einzelne Buchabschnitte, die man für sich selber vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte, prima verschmerzen kann.
Fazit
Ein tolles Buch, welches ich insbesondere Einsteigern und semiprofessionellen Anwendern wärmstens und uneingeschränkt empfehlen kann. Fortgeschrittene sollten sich ggf. erst kurz ins Buch einlesen und dann entscheiden, ob sie die gebotenen Informationen bereits kennen oder noch dazu lernen können.