Nachdem im Schlafzimmer ein Tevion Internet-Radiowecker seit einem Jahr zu meiner vollen Zufriedenheit seinen Dienst verrichtet, sollte nun ein Gerät für das Wohnzimmer zum Anschluss an die Stereoanlage hinzukommen. Nicht zuletzt wegen der guten Rezensionen hatte ich mir das Scott DXi 80 WL ausgeschaut. Hauptverwendungszweck ist der Empfang von ausländischen Sendern und Streaming von MP3s. FM Radio spielt keine Rolle. Dafür habe ich einen Tuner, der an Kabel-BW hängt. Leider erfüllte das Gerät meine Erwartungen nicht und ging deshalb nach zwei Tagen an Amazon zurück.
Doch zuerst mal das Positive:
+ Sound
Der Klang war so, wie ich es mir von einem Webradio erwarte. Nicht ganz CD-Qualität, aber mit den entsprechenden Sendern gut.
+ Aufnahmemöglichkeit auf USB- oder SD-Karte (für mich uninteressant, deshalb nicht getestet).
+ Streaming vom PC
Funktioniert einwandfrei und man kann nach verschiedenen Kriterien wie Album-Artist, Album-Titel oder Ordner sortieren. Auch Abspielen von Playlists geht.
+ Ein-/Ausschalter (wobei so ein Schalter an die Gehäusefront gehört).
Nun zu den Punkten, die mich weniger begeistert haben:
- Bedienung
Die Bedienung ist zwar relativ intuitiv, aber umständlich ohne Ende. Hier rächt sich der Verzicht auf jegliche Bedienelemente am Gerät selbst. Die Konfiguration fürs WLAN ist ein Kinderspiel, aber bei der Eingabe meines 20-stelligen WPA2-Schlüssels fragte ich mich schon, ob so ein Bedienkonzept noch zeitgemäss ist. Jedes Zeichen muss über die Fernbedienung eingegeben werden. Es gibt keinen Schnelldurchlauf durch Gedrückthalten einer Taste und auch kein Vorwärtsblättern. Um zum Beispiel ein "j" einzugeben, muss 29-mal die Nach-oben-Taste gedrückt werden (0-1-...-8-9-a-A-b-B usw.) und danach mit OK bestätigt werden. Das kann mein Billigradio vom Discounter schon mal wesentlich besser. Da kann ich mit dem Rad durch den Zeichensatz scrollen und durch Drücken des Rades bestätigen, was mindestens zehnmal so schnell geht.
Die Auswahl der Sender muss über das Gerät erfolgen. Die Favoriten landen alle in derselben Liste und können nicht sortiert werden. Bei wenigen Sendern mag das angehen, aber ich höre Sender in drei Sprachen und interessiere mich für die verschiedensten Musikgenres, alleine in der Gruppe Reggae habe ich 10 verschiedene Sender. Da wird die Favoritenliste schnell unübersichtlich. In dieser Hinsicht bin ich von meinem kleinen Brüllwürfel verwöhnt. Dort stelle ich mir meine Lieblingssender über das Radioportal Frontier Silicon zusammen und ordne sie übersichtlich in Gruppen. Beim nächsten Einschalten des Internet-Radios habe ich dann Zugriff auf die aktualisierten Gruppen.
- Keine Bedienelemente
Wegen des Verzichts auf Bedienelemente benötigt man für alle Funktionen ausser Einschalten und Aufwecken aus dem Standby die Fernbedienung. Das ist an und für sich schon unschön und noch viel unschöner mit der mitgelieferten Fernbedienung.
- Fernbedienung
Die Fernbedienung macht einen sehr billigen, wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Die Tasten sind schwammig und speziell die OK-Taste fühlte sich an, als ob sie die besten Zeiten schon hinter sich hätte. Das ist um so gravierender, als sich das Gerät ohne Fernbedienung gar nicht mehr bedienen lässt. Kein gutes Gefühl. Wer weiss, ob es noch Ersatz gibt, wenn die Fernbedienung das Zeitliche segnet.
- Display
Das Display löst schlecht auf und ist nur aus der Nähe ablesbar. Bei der Eingabe des WPA-Schlüssels war ich wegen der miesen Auflösung einige Male am Rätseln, welches Sonderzeichen gerade auf dem Display angezeigt wird. Darüber hinaus ist es noch stark blickwinkelabhängig. Wenn das Gerät unten im Rack ist, dann ist Bücken angesagt, sonst lässt sich das Display nicht ablesen.
- Dimensionen
Das Gerät selbst ist 43 cm breit, die Frontblende allerdings 45 cm. Ein vernünftiger Grund dafür fällt mir nicht ein, es sieht jedenfall sehr seltsam aus auf einem Tower aus 43 cm breiten Geräten. Unten würde es am wenigsten auffallen, aber das geht wegen der verringerten Bautiefe von 20 cm nicht.
- Qualität
Bei dem Blechgehäuse kann man nicht viel falsch machen und bewegliche Teile gibt es ausser der WLAN-Antenne keine. Das Netzkabel wackelte allerdings heftig in der Durchführung ins Gehäuse. Das ist bei keinem meiner sonstigen Geräte so und für mich ein weiterer Grund zur Abwertung.
Bei meinem Gerät scheint es sich zudem um einen Rückläufer gehandelt zu haben. Das Chassis wies Fingerabdrücke auf, die Aufkleber und der Displayschutz hafteten nicht mehr richtig und die verdrillten schwarzen Käbelchen, die Netz- und Audiokabel zusammenhalten, waren offensichtlich auch schon auf- und wieder zugedreht worden. Das spielt zwar für meine Bewertung keine Rolle, da es keine Produkteigenschaft ist. Aber vor mir war wohl schon jemand anders mit dem Gerät nicht so zufrieden, dass er oder sie es behalten hätte.
Insgesamt blieb das Scott DXi 80 WL weit hinter meinen Erwartungen und zurück und hat in meinen Augen nicht mehr als zwei Sterne verdient.