Vorweg: Auch ich musste mich ein wenig mit der Historie der Rock/Pop-Geschichte auseinandersetzen, um auf dieses Album zu stoßen. Als ich verloren in einem Schmöker mit "bedeutenden" Musikalben vertieft war, stieß ich unter anderem hierauf: SCOTT 4. Die Kurzbeschreibung machte mich neugierig. Da der Kaufpreis bei einer anschließenden amazon-Recherche ebenfalls einladend aussah, griff ich kurzentschlossen zu...
Was kann ich nun über dieses Album berichten? Nun: Ich kenne mich offengestanden nach wie vor nur sehr wenig mit dem Leben und Schaffen Scott Walkers aus. Und ich werde mir vermutlich auch keines seiner weiteren Alben mehr zulegen.
Dennoch ist SCOTT 4 etwas Besonderes, etwas Einzigartiges. Wer sich ein wenig mit Popmusikgeschichte auskennt und im Speziellen die Musik der Spätsechziger lieben gelernt hat, wird sich wundern, dass eine Platte wie diese hier heutzutage als "Klassiker" eingestuft wird. Denn: SCOTT 4 ist keine Rockplatte, ist keine Folkplatte - vielmehr ist es eine Art Easy-Listening-Tonträger mit schweren Texten und teils schwer hinterlegten Akkorden (durch Streicher oder dergleichen).
Besonders hervorhebenswert erscheint mir die Vermischung von Musik und Gesang. Hier ist wirklich etwas bis dato Ungehörtes gelungen - ich kenne ehrlich gesagt auch gegenwärtig keine Platte, die dem Stil der Scheibe nahekommen würde...
Scott Walker ist ein wahrer Rebell - ein unruhiger Geist seiner Zeit. Zu unruhig für damalige Verhältnisse offenbar - denn die Scheibe war ein Flop und wurde erst sehr viel später wieder entdeckt (gilt aber auch für andere Platten, bei denen ich das jetzt im Nachhinein gesehen noch weniger verstehe, wie z.B. bei THE VELVET UNDERGROUND o.ä.).
Tja, SCOTT 4 ist wirklich ein seltsames Irgendwas und eigentlich (ich hoffe, ich lehne mich da jetzt nicht zu weit hinaus) dafür vorprogrammiert, kein kommerzieller Erfolg zu werden. Dafür war die Welt anno 1969 ganz einfach (noch) nicht bereit. Umso schöner ist es dann, wenn man sich heutzutage wieder besinnt und zurückerinnert an Helden oder sagen wir Anti-Helden, die ihr Statement auf ihre ganz eigene, unverwechselbare Art vielleicht dafür umso nachhaltiger abgegeben haben...
Fazit: SCOTT 4 ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle - musikalisch wie textlich gesehen. Das Ganze beginnt recht schwer ("The Seventh Seal" - Anspielung auf den Filmklassiker von I. Bergman). Und eigentlich geht es dann ebenso schwer weiter. Erst gegen Ende der Scheibe bekommt man dann auch tanzbare Musik zu hören (die Texte bleiben weiter schwarz gefärbt).
Für ruhige, besonnene Momente ist SCOTT 4 also durchaus eine Bereicherung. Und mehr vielleicht als so manch anderes Album seiner Zeit ist es "zeitlos", weil eben sehr "unabhängig" sehr "anders" arrangiert. Und in dieser Hinsicht und natürlich - nicht zuletzt - weil auch Musik und Gesang sehr gefällig auf Tonträger gebannt wurden (tolle Produktion), ist Scott Walker mit diesem Solo-Projekt etwas gelungen, was ihn zurecht - auch heute noch - beachtenswert macht.
Für "geschulte" Hobbyhörer und Musikinteressierte würde ich diese Platte wärmstens weiterempfehlen. Hierauf gibt es immer etwas Neues zu entdecken! So gesehen ist dann wohl auch meine 5-STERNE-Bewertung nachvollziehbar!
Kaufen, genießen und weiterempfehlen!
Gelungenes Popgesamtkunstwerk - in mehrerlei Hinsicht einzigartig!