Schade, schade, ein stellenweise großartiges Konzert, eine gelungene Symbiose von Rockband und klassischem Orchester, aus dem auf der DVD leider ca. ein Drittel herausgeschnitten, die missratenen Stücke aber dringelassen wurden.
Das Konzert lief am 22. Juni 2000 live in der TUI-Arena Hannover als Projekt der gerade angelaufenen EXPO und wurde damals live im ZDF übertragen. Im Publikum kann man mehrmals für einige, zu viele Sekunden die blöde Visage von Karl Dall neben etlichen anderen Promis bewundern.
Einige gute Songs vom Konzert sind nicht dabei, dafür lang und breit die eher schlagerlastigen Neuschöpfungen wie die peinliche EXPO-Hymne "moment of glory", die gleich zweimal gespielt wird, das besonders kitschige "here in my heart", ein Duett mit einer mittelmäßigen Musicalsängerin, die indes durch ihr seitlich sehr weit ausgeschittenes Kleid auffällt, und auch "we don't own the world" überzeugt trotz Kinderchor und EXPO-Singers nicht besonders.
Die einzige gelungene Version einer der damals neueren Scorpionsballaden, "Send me an Angel" mit Gastsänger Zuccero fehlt dagegen auf der DVD.
Das Konzert und auch die DVD beginnen mit dem choreographisch gelungenen Opener "Rock you like a hurrican", bei dem Sänger Klaus Meine anfangs massive Schwierigkeiten hat, sich in die hinter ihm aufspielende orchestrale Wucht gesangdynamisch einzufühlen, was ihm aber nach relativ kurzer Zeit gelingt.
Danach wird das bedauerliche EXPO-Pflicht-Kitschprogramm mit den drei gräßlichen, für das Projekt völlig unpassenden Liedern runtergespielt.
Danach spielen Band und Orchester wieder musikalisch ernstzunehmende Scorpions-Klassiker, "we'll burn the sky" und darauf "Big City Nights", in dem Genesis-Sänger Ray Wilson eine gute Figur macht.
Darauf die sensationelle "Deadly sting Suite", in der Orchester und Band ihr ganzes Können und auch ihre beeindruckend gelungenes Zusammenwirken zeigen. Es handelt sich um eine erweiterte Kombination der Scorpions-Klassiker "Crossfire", "She's a man, he's a woman" und "Dynamite", in das die Berliner Philharmoniker wie schon bei den Liedern zuvor wieder Elemente klassischer Werke, aber auch Passagen aus "wind of change" einflechten. Das 15 Minuten lange Stück rockt endlich das Haus.
Die gelungenen und umjubelten Versionen von "Still loving you" und vor allem "Wind of change" schließen sich an.
Zum Schluss gibts leider als unverdiente Bestrafung noch mal die Expo-Hymne.
Als Bonus-Track gibt es sie bedauerlicherweise noch ein drittes Mal, dazu die zwei weiteren missratenen Titel, die die Scorpions zusammen mit den nach der öffentlichen Generalprobe des Konzerts am Abend zuvor verbliebenen Zuschauern mehrmals eingespielt hatten.
Trotzdem, wenn man mit der Fernbedienung des DVD-Players so weit versiert ist, dass man schon beim Starten der DVD die missratenen Stücke rausprogrammieren kann, ist es ein sehr sehenswertes, stellenweise herausragendes Konzerterlebnis. Aber dann auch nur noch von etwas über einer Stunde Länge.