Selten wurden in einem Film, wie bereits in diesem Thriller aus dem Jahre 1973, die Doppelbödigkeit und die Verlogenheit von Geheimdiensttätigkeiten so anschaulich dargestellt. Dabei zeigt der Film anhand eines konkreten politischen Vorgangs wie auch anhand seiner Protagonisten die internen und externen Vorgehensweisen des CIA. Darüber hinaus macht der Film anschaulich, welche Einbußen aktive Geheimdienstler in ihrem Privatleben in Kauf nehmen müssen und welchen Gefahren sie sich aussetzen.
Der Film lebt von dem Spannungsverhältnis zwischen den beiden Protagonisten Burt Lancaster und Alain Delon, die sich trotz des Altersunterschieds möglicherweise ähnlicher waren als oberflächlich ersichtlich gewesen ist. Zudem ist der Film aber auch bis in kleinste Rollen typgerecht besetzt. An unterschiedlichen Schauplätzen in Amerika und Europa (Paris, Wien) angesiedelt werden die Jäger selbst zu Gejagten, was deutlich macht, wie wenig Verlässlichkeiten es in diesem Geschäft gibt und wie schnell sich das Blatt wenden kann.
Ein Durchschnittsthriller ist dies ganz gewiss nicht, auch wenn die knapp vierzig Jahre seit seiner Entstehungszeit dabei nicht ganz spurlos an dem Film vorübergegangen sind. Beeindruckend immer noch Lancasters intensives Spiel und seine körperliche Ausdruckskraft und Fitness, die ihn veranlassten, mit sechzig Jahren alle Stunts noch selbst auszuführen. Bei aller durchaus vorhandenen Action geht es bei diesem Film vor dem Hintergrund des kalten Krieges mit seinen differenziert dargelegten Handlungssträngen dennoch eher um das Machtgefüge CIA und um die Stellung seiner einzelnen Agenten in diesem komplexen System.
Scorpio ist ein straff durchkomponierter Agententhriller von Michael Winner, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse zunehmend verwischen und irgendwann nicht mehr auszumachen sind. Das zynische Filmende beeindruckt noch immer und kann wohl als die Spielregeln dieser Branche charakterisierend angesehen werden.