Werner Thiede untersucht gründlich und kenntnisreich insbesondere die Frage, ob es sich bei der "Church of Scientology" (1954 wurde in Los Angeles die ersten Scietology Church gegründet) um eine echte Religion handelt. Dazu analysiert er anhand von Kriterien für eine Religion, inwieweit diese zutreffen. Zwar beansprucht die "Church of Scientology" den Status einer Religion, die von Thiede angeführten Merkmale erfüllt sich trotz ihres faktischen Absolutheitsanspruches kaum. Insbesondere konnte der Autor nicht ausmachen, welcher Gott durch die "Operierenden Thetanen", sofern sie nicht selbst "wie Gott" sind, überhaupt verehrt wird. Zwar gibt es eine ganz klare Hierarchie der Funktionäre dieser sehr modernen, in den USA von dem legendären Science Fiction Autor Lafayett Ron Hubbard (13.03.1911 - 24.01.1986) gegründeten "Kirche" und es sind auch eindeutig psychische Veränderungen ihrer Mitglieder registrierbar, aber ein zu verehrender Gott war recht eigentlich nicht auszumachen. Es ist wohl eher der wirtschaftlich erfolgreiche Mensch als solcher, der sich in dieser Church feiert, oder, wenn man den vielen kritischen Büchern, die in großer Zahl zu Thema Scientology verfaßt werden, Glauben schenken darf, der alte Götze Mammon, oder schlicht der Profit, der menschliche Erfolg, soweit er sich finanziell materialisiert, der hier in einer Art Geistesmagie beschworen, vermehrt und - wohl auch verehrt wird. Sollte das Geld allerdings das höchste Gut und die Beziehung zu diesem der höchste Wert sein, dann hätte die Scientology Chruch durchaus die Chance, sich zu einer Religion zu emanzipieren.
Thiedes Buch gibt allen, die sich für qualifiziert theologische Gesichtspunkte der Scietology Church interessieren, wertvolle Hinweise, um qualifiziert argumentieren zu können. Auch für nachdenkliche Leser, die klar wissen wollen, was eine Religion von anderen geistigen oder geistlichen Bewegungen, an denen unser Zeitalter gewiß nicht arm ist, unterscheidet, bietet das so inhaltsreiche wie schmale Buch substantielle Informationen. Schließlich ist es für Leser, die in irgendeiner Weise an "Jugendreligionen" interessiert sind, ein wertvolles analytisches Instrument und kann aus dieser Perspektive nur empfohlen werden.
Karl Freud