Diesen Film habe ich meinen Kindern gekauft, nachdem ich über die Empfehlungsliste einer Medienpädagogin auf ihn aufmerksam wurde. 5 Sterne Bewertung und diverse Auszeichnungen versprachen gutes Kinderkino "made in Europe".
Wir haben den Film dann gemeinsam mit Freunden und unseren Kindern im Alter von 6-11 Jahren nach einem tollen Ferientag angeschaut. Für die Erwachsenen stellte sich Langeweile schon nach wenigen Minuten ein. Der Plot wird zu langsam entwickelt, die Atmosphäre künstlich steril gehalten, die Beziehungen zwischen den handelnden Personen bleiben unglaubwürdig. Einzig die Kameraführung und die Fotografie weckten verhaltenes Interesse. Aber, ist das der Sinn eines Kinderfilms?
Unsere Kinder hatten sehr große Schwierigkeiten mit der Story umzugehen. Kinderprobleme werden zwar durch Kinder thematisiert, aber nicht gelöst. Es bleibt immer die Ungewissheit, dass nichts so ist, wie es gewohnt ist. Die Eltern von Andreas sind sterile und kalte Personen, die fast keine Gefühle zeigen, speziell die Vaterfigur wirkt komplett gefühlsinkompetent. Die wenigen Gefühlsregungen, die der Film beim Zuschauer auslöst, werden auf unangenehme Weise durch die Handlung verunsichert, z.B. als das Kindermädchen, das von Andreas sehr geliebt wird, aus nicht nachvollziehbaren Gründen gehen musste. Oder Vero, das durch ständigen Filmkonsum schon fast schizophren wirkende Nachbarsmädchen, sagt: "Alle Eltern lügen" und fordert zu verschiedenen Aktionen gegen Andreas Eltern auf. Das stellt das Urvertrauen zwischen Kindern und Eltern prinzipiell in Frage und löste bei unseren Kindern Angst und Ratlosigkeit aus (aber ihr lügt uns doch nicht an, oder?). Weitere negative Highlights: Andreas wird beim Spionieren von seinen Eltern entdeckt und macht sich vor Angst in die Hose. Später belauscht er mit Vero und ihren Freunden seinen Vater, wie er sich mit seiner Mutter darüber lustig macht. Und natürlich machen sich diese Kinder dann auch über ihn lustig. Eine Panikszene ohne Ausweg für jeden Jungen, der selbst damit zu kämpfen hat! Oder die Szene, in der Vero Andreas dazu bringt, das Auto seiner Eltern für eine List zu beschädigen. Welches Kind leidet hier nicht mit, bzw. kann Andreas Tat wirklich nachvollziehen?
Kurz, Andreas hat niemanden, dem er wirklich trauen kann, nicht einmal ein Tier oder eine Pflanze. Und das geht bis zum Schluss so, der auch nicht definiert endet. Die letzten Szenen können so oder so interpretiert werden. Es gibt keine Orientierung. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe unheimlicher Effekte (sterbende Vögel, die ein angeblich Verrückter einsammelt; fast immer grünes Kunstlicht in der Nähe von Andreas Eltern; die Eltern und Andreas haben in zwei Szenen unheimliche weiße Augen ohne Pupillen; und so weiter).
Nachdem der Film zu Ende war, mussten die Kinder erst einmal von ihren gelangweilten Eltern beruhigt werden. Nachts kamen sie dann, weil sie Alpträume hatten.
Ist das gutes Kinderkino, das Auszeichnungen verdient?
Meine Meinung: wer diesen Film kaufen will, kann ihn gern von mir kaufen. Bei uns wird er sofort wieder ausgemustert.