In den USA sind Chevelle seit Jahren eine ganz große Nummer im Alternative Rock, hierzulande wird wohl auch der mittlerweile fünfte Longplayer nicht mehr für den Durchbruch sorgen. Das ist verdammt schade, denn "Sci-Fi Crimes" ist ein verdammt tolles Album geworden und reiht sich im Bandkatalog bei mir an einer starken zweiten Stelle hinter dem überragenden 2002er Werk "Wonder What's Next" ein. Die Eckpfeiler bleiben weiterhin eine potente Rhythmussektion und Pete Loeffler's grandioser Gesang, wobei der Chef der Band aus einer Schnittmenge von Maynard James Keenan und Jared Leto heraus agiert.
"Sleep Apnea" ist nicht nur der Opener, sondern auch gleich der beste der neuen Songs vom Trio aus Chicago. Es ist der vielleicht druckvollste und beste Opener im Genre seit langem und ohne Frage einer der besten Songs der Bandgeschichte. "Mexican Sun" (wirklich toller Text und schöne Schlagzeugpassagen) und "Shameful Metaphors" (kann als Nachfolger von "Saferwaters" gesehen werden) sind potentielle Hitkandidaten, ehe mit "Jars" die erste Single folgt, welche zu den Highlights des Album zählt. Danach kommen mit "Fell Into Your Shoes" und "Letter From A Thief" zwei typische Chevelle-Trademark-Songs, die phasenweise richtig fesseln. Gerade "Fell Into Your Shoes" weiß zu gefallen: Pete singt hier gerade im Refrain sehr hoch, Sam Loeffler begeistert hier am Schlagzeug und ein schönes Gitarrensolo runden den Song ab.
"Sci-Fi Crimes" hat leider einen gravierenden Schönheitsfleck: so toll wie sich der Longplayer in Hälfte eins präsentiert, so stark fällt das Album gegen Ende hin ab. Nach "Letter From A Thief" kommt leider nichts großartiges mehr. "Highland's Apparition" ist eine Akustikballade geworden, die mich nicht so ganz überzeugt hat - da haben die Jungs schon bessere Balladen geschrieben, man höre sich nur einmal "Panic Prone" oder "Bend The Bracket" an. "Roswell's Spell" kommt recht vertrackt daher und kann auf Dauer leider nicht wirklich fesseln. Auf das völlig unnötige "Interlewd" folgt "The New Momentum" bietet zwar ein recht nettes Riff, schwimmt aber im Großen und Ganzen leider ein wenig im seichten Wasser, ohne wirklich mitreißen zu wollen. Ein Song, wie in Chevelle schon zwanzig mal geschrieben hat - nur besser. "This Circus" ist dann aber wieder ein würdiger Abgang und schafft es, das Album nach ein paar schwachen Songs doch noch mit Nachdruck zu beenden.
Unterm Strich ist es sehr schade, dass man das hohe Niveau vom Anfang nicht ganz bis zum Schluss halten konnte. "Sci-Fi Crimes" kann stilistisch durchaus mit dem Vorgänger "Vena Sera" verglichen werden, verhält sich zu diesem aber wie ein lang erwartetes Update - eine aufpolierte Beta-Version sozusagen. Hatte man bei "Vena Sera" die eigentlichen Stärken der Band nicht so recht ausspielen können, verlässt man sich diesmal voll und ganz auf eben diese: schwere Gitarren, schöne Bassläufe und Pete Loeffler in Überform. "Sci-Fi Crimes" spielt "Vena Sera", "Point #1" und "This Type of Thinking" an die Wand - nur "Wonder What's Next" bleibt - wie immer - unerreicht.
Anspieltipps: Sleep Apnea, Fell Into Your Shoes, Jars, Mexican Sun, Letter From A Thief