Der Serienauftakt von Elisabeth Naughton rund um das Volk der Argoleaner und ihre Wächter, die Argonauten, war flüssig und gut lesbar und stellte eine nette Abwechslung zu den sonst üblichen Fantasy-Themenkreisen (Vampire, Gestaltwandler, Feen etc.) dar. Es handelt sich um eine Geschichte, die Elemente der griechischen Mythologie aufgreift und in der es um Götter, Halbgötter, Dämonen und langlebige, sterbliche Mischlinge (die Argoleaner) geht, die ein eigenes Reich außerhalb der menschlichen Welt, in einer anderen Dimension bevölkern, jedoch durch Portale die Menschenwelt betreten und auch mit den Menschen Nachwuchs zeugen können.
Es erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Kresley Cole und Gina Showalter (Herren der Unterwelt), bringt aber durchaus eigene, neue Elemente mit ein. Ich kannte Elisabeth Naughton von der Romantic-Thrill-Serie rund um die Odyssey-Galerie in Miami, die ich mit großem Gefallen gelesen habe und war neugierig, wie die Autorin sich in der Romantic Fantasie behaupten würde, in die ja viele Autoren einsteigen, um den aktuellen Lesegeschmack zu bedienen.
Ich war sehr angetan vom ersten Ergebnis und werde sicher auch die Folgebände gern lesen. Es ist eine nette, flüssige durchaus phantasievolle Story, die den Leser in das Reich der Argoleaner entführt, wobei man ständig auf bekannte Namen aus der griechischen Mythologie stößt und diese auf ganz eigene Weise, aus dem Blickwinkel dieser Geschichte interpretiert bekommt. Es wird beim Lesen nicht langweilig, die Handlung beteiligt den Leser gut an der Entwicklung der Ereignisse und die auftretenden Charaktere und Handlungsträger wirken überzeugend und glaubwürdig.
Die beiden Hauptfiguren (der Argonaut Theron und das menschliche Halbblut Casey) sind sympatisch und müssen sich in einem widrigen, ihrer Beziehung nicht förderlichen Umfeld behaupten, welches ihrer vom Schicksal bestimmten Seelenverwandtschaft viele Hindernisse in den Weg stellt. Beide kämpfen auf ihre Art um die Bewältigung der Situation, in die sie unfreiwillig geraten sind und dabei ist aus meiner Sicht keiner der Bessere oder Schlechtere, der Überlegene oder der Unterlegene. Beide haben ihre Stärken und Schwächen, reiben sich im Laufe der Handlung aneinander und finden - teilweise mit eigener Nachhilfe und teilweise gegen ihre Überzeugung - zueinander.
Ich mag Geschichten, in denen nicht von vorn herein der männliche Hauptprotagonist der starke, tolle, überlegene (und natürlich unendlich attraktive) Part ist, während die weibliche Hauptprotagonistin oftmals entweder das geborene Opfer oder eine trotzige, sture sich ständig selbst beweisen wollende Person ist, die permanent ihre Möglichkeiten überschätzt und dann von ihrem potenziellen Gefährten aus sämtlichen möglichen Katastrophen gerettet werden muss.
Dies wurde in der vorliegenden Geschichte aus meiner Sicht überwiegend gut umgesetzt. Natürlich gibt es den attraktiven, starken männlichen Part und er muss auch mal seine Gegenspielerin retten, aber das beruht auf Gegenseitigkeit und sie erscheinen irgendwie gleichberechtigt, was für mich schon allein ein Grund für eine gute Bewertung in diesem Genre ist. Wenn die Geschichte sich dann noch insgesamt gut und unterhaltsam liest, bin ich zufrieden und das ist hier der Fall.