Aus der Amazon.de-Redaktion
Schwule, das sind die Schönen, die Sensiblen, die Ästheten -- Edgar Walz schafft dieses Vorurteil gründlich aus der Welt. Er zeigt die Machenschaften schwuler Schurken in ihrem ganzen grausamen Ausmaß. Da gibt es den Massenmörder Jeffrey Dahmer (1960-1994). Er tötete 17 Jungen, zerstückelte sie und bewahrte Andenken seiner Opfer als eine Art heiliger Objekte in einem Schrein auf. "Jeffrey Dahmer ist nicht der größte Schurke in diesem Buch, aber seine Taten sind sicher die scheußlichsten", schreibt Walz. Am ehesten reicht vielleicht Maximilien Robespierre (1758-1794) an Dahmer heran. Er unterschrieb mit seinem Geliebten Saint-Jus zehntausende von Hinrichtungsbefehlen und Haftdekreten: "Mord à la mode" nennt Walz das.
Es sind kleine, nachhaltige Biografien, die Walz zusammengestellt hat. Er stellt Entwicklungen und persönliche Beweggründe dar. Alfred Redl (1864-1913) beispielsweise, Oberst im Generalstab Österreich-Ungarns, beging Hochverrat, um einen Geliebten halten zu können. "Nicht die Homosexualität an sich macht[e] ihn erpressbar, sondern ihre Ächtung." Dass dies gleichzeitig den Tod für Soldaten im Ersten Weltkrieg bedeutete, macht Walz deutlich. Überhaupt sind die meisten schwulen Schurken in einem einflussreichen und teilweise extremen Umfeld zu finden: Nazi Ernst Röhm (1887-1934), der rechte Verführer Michael Kühnen (1956-1991), Putschist Yukio Mishima (1925-1970), Kriegsherr Friedrich der Große (1712-1786), der besessene Alexander der Große (356-323 v. u. Z.), der unheilige Vater Papst Sixtus der IV. (1414-1484) und FBI-Chef J. Edgar Hoover (1895-1972). Hoover sorgte für die gesellschaftliche Ächtung Homosexueller in Amerika, während er selbst ausgelassen mit äußerst attraktiven "Masseuren" Midnight-Partys feierte, in denen er als Gastgeberin Mary im Mittelpunkt stand.
Drei Kriterien lagen Walz bei der Auswahl der elf Schurken zu Grunde: die Vorstellung nur eines Typus von Schurke, unterschiedliche Epochen und die Nationalität beziehungsweise Herkunft. Es bleibt somit noch einer zu nennen: Heliogabal (204-222). Mit 14 Jahren wurde der Knabe über Nacht Kaiser Roms und damit mächtigster Mann. Seine kurze Regierungszeit wurde durch erstaunliche und konsequent betriebene Exzesse zu einem einzigen Skandal. So spannte er nackte Frauen vor sein Gespann und töte aus Spaß. Walz nennt ihn den schönen ("und geilsten") Tyrann. Merkwürdig nur, dass die Lektüre solcher Gewalttätigkeiten Vergnügen bereitet. Das aber mag am Spannungsbogen liegen, den Walz für nahezu jeden Schurken findet. --Mathias Mahler
Kurzbeschreibung
Sixtus IV., Ernst Röhm und Edgar Hoover - und das war gut so? Der Olymp der schwulen Helden ist gut bevölkert, Michelangelo, Proust und Thomas Mann werden gern als Vorzeigehomosexuelle zitiert. Eric Walz eröffnet mit "Schwule Schurken" den Hades und beschreibt das Leben von elf Männern, die Kriege geführt, gemordet und erpresst haben. Papst Sixtus IV. hat mit Ablasshandel und Inquisition ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte geschrieben, Alfred Redl war als Verräter im österreichischen Generalstab maßgeblich an der Katastrophe des 1. Weltkriegs beteiligt, Edgar Hoover ließ außer "Kommunisten" auch Schwule vom FBI verfolgen und tanzte selbst gern im Fummel. Eric Walz erzählt sehr unterhaltsam vom öffentlichen und privaten Leben seiner "Schurken" - eine aufschlussreiche Ergänzung zum Geschichtsunterricht. Viele historische Ereignisse lassen sich vor dem privaten Hintergrund ihrer Helden besser verstehen. Heiratsdiplomatie, einflussreiche Mätressen und Kindesmord sind Teil des heterosexuellen Musters, das jeder in der Schule lernt. Die homosexuelle Variante dagegen ist weniger bekannt, nicht zuletzt deswegen, weil über die "unglückliche Veranlagung" der betreffenden Persönlichkeiten diskret geschwiegen wurde. Die Schwulen selbst schmücken "ihre" Geschichte lieber mit sensiblen Künstlernaturen als mit skrupellosen Politikern und brutalen Mördern. Die Zeit scheint reif für etwas Aufklärungsunterricht. Und das sind die "Schwulen Schurken": Alexander der Große, Heliogabal, Papst Sixtus IV., Friedrich der Große, Maximilien Robespierre, Alfred Redl, Ernst Röhm, Edgar J. Hoover, Yukio Mishima, Michael Kühnen, Jeffrey Dahmer.
Über den Autor
Eric Walz wurde 1966 in Königstein im Taunus geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete mehrere Jahre als Führungskraft in Wirtschaftsunternehmen. Schon früh schrieb er Kurzgeschichten für Zeitungen und Magazine. Seine Leidenschaft aber galt schon immer dem Studium historischer Stoffe, sowohl Biografien wie historischen Romanen.