Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine absurde Situation: Eine junge Frau bringt ihren Cousin in einem Studentenwohnheim unter, das wirkt leer, ausgestorben und wird von einem kranken und mysteriösen Hausmeister bewacht. Wird sie ihren Cousin je wiedersehen?
Zugegeben, man ist so herrlich verwöhnt durch die beiden zuerst erschienenen genialen Romane der japanischen Autorin, Der Ringfinger und Hotel Iris. Zwei Romane, die hohe Erwartungen aufkommen lassen. Auch wenn die drei Kurzerzählungen in Schwimmbad im Regen diese Erwartungen nicht rundum erfüllen, so sind sie dennoch überaus lesenswert und: Sie sind jene beachtlichen literarischen Erstlingsschritte, mit denen Yoko Ogawa den Durchbruch schaffte.
Eine junge Frau gerät in die Abhängigkeit eines älteren Mannes, ein Motiv, das auch hier wieder zu finden ist, ein Verhältnis, das von erotischen Visionen, morbider Atmosphäre und Gewalt sehr fein eingesponnen ist. Keine drastische Sprache, keine offene Brutalität, dafür einfache, reduzierte, wie zwanghaft im Zaum gehaltene Sprache, um die Ungeheuerlichkeit von Handlung oder Gedanken nie und nimmer durchbrechen zu lassen.
Ebenso die zweite Erzählung, in der von einer Abscheulichkeit derart erzählt wird, als drehe es sich um ein harmloses Missgeschick: Eine Frau kommt den Essgelüsten ihrer schwangeren Schwester nach und kocht Grapefruit-Marmelade. Nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht die Kenntnis von Giften, mit denen die Früchte behandelt wurden. "... ein stark krebserregendes Mittel gegen Schimmel, greift die menschlichen Chromosomen an!"
Noch absurder letztlich die dritte Geschichte: "Immer wenn ich eine Schulküche... sehe, muß ich... an ein Schwimmbad im Regen denken", erzählt ein Mann einer Frau, eine Begegnung, flüchtig und doch tiefste innere Gefühlsebenen, den Blick in den Abgrund eröffnend. Auch hier die harmlose und unauffällige Sprache, die in so markantem Gegensatz zum Inhalt steht. Einfach großartig, wie diese Autorin das macht! --Barbara Wegmann
Kurzbeschreibung
Schwimmbad im Regen vereint drei preisgekrönte Erzählungen, mit denen Yôko Ogawa in Japan den literarischen Durchbruch schaffte. Heute zählt sie in ihrem Heimatland zu den wichtigsten Autorinnen ihrer Generation. Mit ihrer präzisen, subtilen Sprache schafft Yôko Ogawa Welten zwischen Realität und Imagination, die von beunruhigender Fremdartigkeit sind und voller naiver Gewalt. Eine junge Frau bringt ihren Cousin in einem Studentenwohnheim unter. In der Folgezeit versucht sie vergeblich, ihn dort anzutreffen. Vom Hausmeister erfährt sie, dass die übrigen Studenten das Heim meiden, seitdem einer ihrer Kommilitonen unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Ein Mädchen leidet unter den Allüren, dem Heißhunger und den Übelkeitsanfällen ihrer schwangeren Schwester. Als sie eines Tages eine Tüte mit pestizidbehandelten Grapefruits geschenkt bekommt, beschließt sie, für ihre Schwester aus den Früchten Marmelade zu kochen. Der Anblick einer Schulküche in der Abenddämmerung erinnert einen Mann daran, wie er als Kind in der Schule schwimmen lernte. Immer wenn es regnete, hatte er den Eindruck, als wimmelte es im Becken von zahllosen kleinen Fischen, die gierig nach ihm schnappten ...
Yôko Ogawas Geschichten sind tiefgründig und geheimnisvoll. Sie leben von Andeutungen und Stimmungen, die weit über das tatsächlich Erzählte hinausgehen. Für »Schwimmbad im Regen« erhielt Yôko Ogawa den renommierten Akutagawa-Preis.