Erst in den aufregenden Wochen unserer friedlichen Herbstrevolution 1989 in Mitteldeutschland, über 3 Jahrzehnte nach den ihm angetanen stalinistischen Grausamkeiten, konnte Walter Janka es riskieren, diesen Tatsachenbericht zu veröffentlichen. Atemlos vor Spannung und Entsetzen verfolgte ich seinerzeit die erste im Rundfunk übertragene Lesung. Als Zeitzeuge weiß ich, daß Jankas Erlebnisbericht uns, die wir seinerzeit gewaltlos der SED- und Stasi-Tyrannei ein Ende zu setzen suchten, in unserer Motivation und Entschlossenheit ganz enorm bestärkt hat.Nie wieder darf ein sich allmächtig dünkendes politisches Zwangssystem so gegen Menschen wüten, wie es dies an diesem Mitbürger praktizierte.
Das SED-Regime in der SBZ/DDR gab sich stets den Anschein, Antifaschismus zu verfechten. Man faßt es kaum, wie die skandalöse gegenteilige Wirklichkeit aussah. Da wurde ein integrer Mann, der beispielhaften Mut als Offizier im antifaschistischen Widerstandskampf, auch und gerade bei der freiwilligen militärischen Verteidigung der spanischen Republik gegen die Franco-Faschisten,bewiesen hatte, sich auch im mexikanischen Exil um die Herausgabe antifaschistischer Literatur verdient machte und nach Rückkehr in die SBZ einen der renommiertesten Verlage des Landes, den Aufbau-Verlag, erfolgreich leitete, von der Ulbricht-Mielke-Clique und der ihr hörigen politischen Strafjustiz schuldlos zum Schwerstverbrecher abgestempelt und Haftbedingungen unterworfen, die an Menschenverachtung ihresgleichen suchen.
Der Ungarnaufstand von 1956 ließ die trotz Chrustschows halbherziger, inkonsequenter "Entstalinisierung" starr stalinistisch gebliebene SED-Nomenklatura vor Angst schlottern, der ungarische Freiheitsfunke könnte in die SBZ/DDR überspringen. Insbesondere fürchteten die Machthaber, die kritische Intelligenz könne sich an der ungarischen ein Beispiel nehmen. Über Janka und andere deshalb in einem inszenierten Komplex politischer Schauprozesse verhängte drakonische Strafurteile zielten auf massive Einschüchterung aller ab, die die Illusion einer Entstalinisierung in der SBZ/DDR hegten. Walter Jankas erschütternder Erlebnisbericht über die finstere Kehrseite des SED-Staates ist ein Zeitdokument von besonderer Eindringlichkeit und hohem Aussagewert.