Sean Stewart macht es seinen Lesern niemals leicht. Wer die altbewährte Fantasyhandlung im Stile Tolkiens erwartet, wird bei ihm enttäuscht werden. Seine Figuren sind keine Abziehbilder, sondern wirkliche Menschen, die sehr menschliche Probleme zu bewältigen haben. Die große Schlacht, die der Höhepunkt mancher anderer Romane wäre, ist bei ihm nur der Anfang. Wirklich wichtig ist das, was danach kommt. Der Versuch, die Wunden, die Gewalt und Krieg hinterlassen haben, wieder zu heilen, führt die Figuren des Romans zusammen. Und hier wächst der Roman zu seiner wahren Größe heran.
Die Art und Weise, wie Stewart eine mitunter fast schmerzhaft realistische Romanhandlung in eine faszinierend schöne Fantasywelt versetzt verschlägt einem den Atem. Die poetische Sprache und die atmosphärische Schilderung der Inselwelt mit ihren verschlungenen Mythen und Legenden geben dem Roman eine Tiefe, die ich bei anderen Fantasyromanen oft vermisse. Hervorzuheben ist auch die schöne und mitunter sehr originelle Übersetzung, die versucht Stewarts sprachlichen Eigenheiten gerecht zu werden. Ich habe schon lange kein Buch mehr mit soviel Genuss gelesen und kann es allen Freunden anspruchsvoller Fantasy nur wärmstens empfehlen!