An welches Publikum Thomas Hönscheid beim Schreiben seines originellen wirtschaftswissenschaftlichen Dreigroschenromans gedacht hat, geht aus dem Klappentext nicht hervor. Weiß es der Autor selber nicht und verzichtet deshalb auf eine Einleitung oder ein Nachwort? Formal gesehen könnte der Arztroman eine Parodie sein. Aber worauf? Will der diplomierte Volkswirt die Trivialliteratur, die Volkswirtschaftslehre, das Gesundheits- oder Bildungswesen parodieren? Ist es eine späte Abrechnung mit seinen Examinatoren? Oder will Thomas Hönscheld sowohl Laien als auch Studenten auf diese Weise die Mechanismen der freien Marktwirtschaft erklären? Verkaufszahlen und Leserreaktionen werden zeigen, ob diese Gratwanderung glückte. Ich bin jedenfalls der Meinung, der Autor sei abgestürzt. Auch weil er wie viele andere vor ihm die Textsorte Trivialliteratur offenbar unterschätzt. Wie ich selber in jungen Jahren erfahren musste, ist es gar nicht so einfach, einen Dreigroschenroman zu schreiben, der bei den Liebhabern dieser Gattung ankommt. Und wenn dann ein junger smarter Märchenprinz in der Frühlingssonne ziemlich unmotiviert wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen hält, wirkt das konstruierter als jede leidenschaftliche Kitschbeziehung zwischen Chefarzt und Stationsschwester.
Wo normalerweise unheilvolle Zeichen auf kleine menschliche Dramen hinweisen, deuten sie in diesem Roman auf den nächsten Theorieschub hin. Hätte der Autor wenigsten eine Figur geschaffen, die das akademische Geplapper als praxisfremd entlarvt oder zumindest in die Alltagssprache übersetzt, wäre der kritische Bezug zum deutschen Gesundheitswesen und zum Gehabe akademischer Wirtschaftsweisen etwas deutlicher geworden. Aber so wie der Versuch von Thomas Hönscheid konstruiert ist, muss der Leser permanent überlegen, was nun parodistisch oder ernst gemeint ist. Zuzugeben, dass mir dies oft nicht gelang, ist mir jedenfalls nicht peinlich.
Mein Fazit: Die Textsorten Dreigroschenroman und Sachbuch unter einen Hut zu bringen, ist sehr viel schwieriger, als Thomas Hönscheid offenbar annimmt. Schwestern schmachten, Kinder plappern, Mütter nerven und Chefärzte Indifferenezkurven oberaffengeil finden lassen, macht beim Schreiben sicher riesig Spaß. Doch davon bleibt für den Leser wenig übrig, wenn er sich dauernd fragen muss, ob er noch auf dem Pausenhof herumtollen darf oder schon wieder im Schulzimmer sitzen soll. Zwei Sterne der Bewertung sind für den Mut des Autors, ein Stück zu schreiben, das auf zwei verschiedenen Bühnen aufgeführt wird.