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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Angenehm anders, 14. September 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schwester und Bruder (Gebundene Ausgabe)
Aufmerksam auf diese neue Autorin wurde ich im Juni, bei der Fernsehübertragung ihrer Lesung beim Bachmann-Wettberwerb in Klagenfurt. Der Auszug, der eine indische Odyssee beschreibt, machte mich sehr neugierig auf den Roman. Ich habe mir „Schwester und Bruder" also sofort nach Erscheinen besorgt, begann zu lesen - und konnte nicht mehr aufhören. Man ist sofort mitten in einer Handlung, von der man unbedingt wissen will, wie sie weitergeht und: ob es gut geht. Doch das ist sozusagen nur die Oberfläche, denn das irrwitzige, episodenreiche Geschehen (die sehr unwillige und skeptische Schwester muss den plötzlich erblindeten Bruder durch Indien begleiten, um ihm auf der Suche nach einem mysteriösen Wandermönch zu helfen, von dem er sich Heilung verspricht), souverän erzählt in einer klaren und musikalischen Sprache, lässt in jeder Zeile spüren, dass es hier um mehr geht als die private Schwester-Bruder-Problematik. Was der Roman in seiner Tiefe verhandelt, sind Fragen, denen die jüngere deutsche Literatur sonst eher aus dem Weg geht: Religiosität, Spritualität, Interkulturalität, Osten und Westen, Sinn. Das alles sind Schlagwörter, und Ulla Lenze schafft es, sie neu zu beleben, das Beunruhigungspotential solcher Themen herauszuholen. Der Roman geht das hohe Risiko ein, jene Katalogisierungen und Sicherheiten außer Kraft zu setzen und zeigt so, dass es unter der Oberfläche das Wichtige nach wie vor gibt. Ein fesselndes und bewegendes Buch, das den Ernst seiner Themen zugleich mit Leichtigkeit und einem oft knochentrockenen Humor behandelt.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Roman, der aufs Ganze geht., 21. September 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Schwester und Bruder (Gebundene Ausgabe)
"Schwester und Bruder" von Ulla Lenze bringt das Kunststück fertig, mit seiner ungeheuer spannenden Geschichte nicht nur zu unterhalten, sondern auch nachdenklich zu stimmen. Denn es geht hier um die großen, zugleich geheimnisvollen Themen wie Tod und Sinnsuche, auch um spirituelles Erleben, wobei der Roman die Schwierigkeiten, darüber angemessen zu reden, ständig mitreflektiert. Ein kluges und berührendes Buch, das anhand der Schwester-Bruder-Problematik etwas zeigt, das weit über familiäre Konflikte hinausreicht, und uns einen bewussteren Blick auf die Selbstverständlichkeiten unserer abendländischen Kultur ermöglicht. Besonders zu loben ist dabei der hintergründige Humor der Autorin. Fazit: Ich werde dieses Buch allen erreichbaren Freunden und Bekannten schenken.
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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom Ursprung des Lichts, 18. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Schwester und Bruder (Gebundene Ausgabe)
Ein Wort zu diesem Roman, den ich mehrmals, immer wieder neu, immer wieder anders gelesen habe: Der hat's buchstäblich in sich, im Fokus wie im Weitwinkel, im präzisen Verharren der Beobachtung wie im großzügigen Fluß des Erzählerischen; ein elegantes Tarieren der Gewichte, das bei Ulla Lenze niemals schleppt, niemals einbricht, immer gespannt - regelrecht spannend - bleibt, ein Ausholen, Auffächern und Zirkelschlagen, vom Sterbebett der katholischen Großmutter bis zum Scheppern einer Tempelglocke in Goa. Wo fängt der Osten an, wo hört der Westen auf? Wohin führt eine Reise, die jenseits zu finden hofft, was diesseits verloren ist? Was geschieht, wenn Schwester und Bruder, uneins, verhindert, einander entfremdet, in der verstörenden Begegnung mit dem Anderen den Ursprung eigener Verstörung aufsuchen? - Ulla Lenze geht diesen Fragen nicht nur nach, um eine faszinierende, erfrischend abenteuerliche Geschichte zu erzählen; sie verfolgt auch eine große Tradition des west-östlichen Dialogs, einen Weg, der oft genug bei spiritueller Sehnsucht anfängt und beim harten Pflaster des Alltags aufhört. Schwester und Bruder gehen gewissermaßen den umgekehrten Weg: Aus der Sprachlosigkeit und Enge alltäglicher Zerrüttung gelangt das ungleiche Paar zum Erkennen, Einander-Ansprechen in der Weite neuer Erfahrungsmöglichkeiten. Daß aber aus dem Gespräch keine letztgültige Aussprache, aus der Erleuchtung keine immerwährende Glückseligkeit wird - sondern eher noch ein Anstoß, weiter zu gehen, weiter zu fragen -, zählt zu den besonderen Qualitäten dieses Romans, der auf keinem seiner verschlungenen Wege eine Sackgasse zuläßt. Der Orient als "origo lucis" umspannt die ganze Erzählung wie ein lichtblaues Zelt, stets präsent, aber im Letzten unerreichbar, wegweisend, aber kein Heilsversprechen. Nur eines kann versprochen werden: Wer sich mit Schwester und Bruder auf die Reise begibt, wird deutlich verändert zurück kommen - oder noch eine ganze Weile in der anziehenden, irritierenden, vielgestaltigen Welt verbleiben, die sich da zwischen zwei Buchdeckeln auftut.
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