Das pflichtgemäße Procedere beim Rezensieren eines Uwe-Boll-Films scheint die Anzeige der persönlichen Einstellung zu sein. So möchte auch ich mich dieser schönen Sitte nicht verweigern. Bis zu dem Augenblick, in dem der gute Mann die goldene Himbeere für sein Lebenswerk gewonnen hatte, war mir weder seiner Person noch einer seiner Filme bekannt. Das vergoldete Früchtchen gepaart mit einer unseligen Portion Neugier gipfelte in der Ansicht des vorliegenden Streifen, der wohl einen seiner Referenzfilme versinnbildlichen soll.
Vorneweg, ich bin durchaus positiv überrascht, denn der Film ist handwerklich solide inszeniert worden. Zwar merkt man allüberall das 1:1-Kopieren vom "Herr der Ringe", aber das ficht mich solange wenig an, wie der Regisseur die Muße hatte, gut abzukupfern. Dementsprechend sind die Landschaftsaufnahmen grandios, die Kamerafahrten gelungen, die Inszenierung professionell und auch bei den Requisiten muss sich der Film zu keinem Zeitpunkt verstecken. Ansonsten ist der Film das reine Mittelmaß. Seine Darsteller spielen ihre Parts solide herunter, die Geschichte von einem bösen Magier, einem guten König und einem rächenden Krieger ist so ambitionslos wie allzeit filmtauglich und auch die platten Dialoge halten sich noch oberhalb des Kopfschmerzpotentials.
Woran der Film nun konkret krankt? Er ist g-ä-h-n-e-n-d l-a-n-g-w-e-i-l-i-g, und das meine ich wortwörtlich. Es kommt bis zum finalen Entscheidungskampf zu nicht einem einzigen Zeitpunkt Spannung auf und ohne eine notwendige Maniküre und eine ständige Verschiebung der Sitzstellung hätte ich den Film kaum im wachen Zustand durchgestanden. Die 156 Minuten zuckeln wie eine alte Kaffeefahrt-Droschke durch die Prärie, plätschern wie ein leckes Boot auf der Elbe, langweilen mit eindimensionalen leidenschaftslosen Darstellern, banalisieren mit zu vielen überflüssigen nichtssagenden Dialogen und können eben auch mit deutlich zu wenig Action-Szenen keine von Anfang bis Ende vorhersehbare Geschichte beleben. Der Anti-Schauspieler und Hauptdarsteller Jason Statham zeigt wie immer nur in Kampfszenen den wahren Könner und verkommt im Mangel derselben zu einem blassen Statisten. Die anderen Figuren können oder wollen angesichts des namhaften Casts diesen Mangel an Präsenz nicht ausgleichen. Sie sind zu gut, um wirklich schlecht spielen zu können, zeigen aber bemerkenswert wenig Mimik und lassen darstellerisches Herzblut gänzlich vermissen.
Daneben begeht der Regisseur den wahrhaft gruseligen Fauxpas, den auf altmodisch getrimmten Fantasy-Plot mit modernen Anleihen wie einem Martial-Arts-Helden, Bumerang, xena-mäßigen Rüstungen, einem hirnfreien Thronräuber oder lächerliche an sturzbetrunkene Billig-Orcs erinnernde Krugs als Gegner zu würzen. Nichts gegen Möchtegern-Originalität, aber muss es denn gleich so ein kindischer abgeschmackter Unfug sein? Hätte der Knabe nicht seine versifften Ninjas gegen den strahlenden Helden antreten lassen können, als denn in einer mäßig unterhaltsamen Kleinschlacht gegen unfähiges Fussvolk. Nee, nee, nee. Wenn Anti-Master Boll schon seinen glorreichen Trash inszenieren will, dann doch bitteschön so, dass es für Spaß und Unterhaltung anstatt einer äußerst schmerzhaften Versteifung meiner dauergähnenden Kinnladen sorgt.
Fazit:
Boll hin, Boll her - der Film besitzt die Rasanz einer beinlosen Ameise und ist sterbenslangweilig.
Nun bin ich zwar durch den Film mitnichten zum Boll-Hasser geworden... allerdings wäre ich ehrlich xsagt zu so einer Gefühlsregung auch gar nicht mehr imstande, so müde wie mich der Film gemacht hat. Wünsche angenehme Nachtruhe! *schnarch*