Die Geschichte von „Das Schwert in der Stille" spielt in einer dem feudalen Japan angelehnten Phantasiewelt, die von mächtigen und rivalisierenden Kriegsherren beherrscht wird. Der junge Tomasu ist bei einer Gruppe aufgewachsen, die sich die Verborgenen nennen. Bei einem Überfall des Kriegerfürsten Iida auf Tomasus Dorf kann der Junge als einziger entkommen und wird auf der Flucht von Lord Shigeru vom Clan der Otori gerettet. Shigeru nimmt Tomasu bei sich auf, gibt ihm den neuen Namen Takeo und adoptiert ihn schließlich. Takeo selbst merkt mehr und mehr, dass er kein einfacher Bauernjunge ist, sondern besondere Fähigkeiten hat. Er kann unglaublich gut hören und ist in der Lage sich für kurze Zeit unsichtbar zu machen sowie andere über seinen Aufenthaltsort zu täuschen. Shigeru möchte sich diese Fähigkeiten Takeos zu Nutze machen um seinen Erzfeind Iida zu besiegen. Aber auch noch andere Mächte sind an Takeos Fähigkeiten interessiert und so gerät der Junge immer tiefer in die Intrigen der verschiedenen Fürstenfamilien, die das ganze Land verändern werden.
So viel zum Inhalt und damit zur Bewertung:
Das Buch ist in einer einfachen aber sehr schönen Sprache erzählt. Es gibt absolut keine Längen. Die Handlung schreitet stetig fort aber die Autorin flicht immer wieder einige wenige Sätze ein, um das Wetter, die Umgebung, die Flora, die Fauna oder die Keramik der Teetassen (sic!) zu beschreiben. Das macht sie so geschickt, dass jederzeit eine natürliche Atmosphäre vorherrscht. Der Leser hat dadurch ständig das Gefühl dabei zu sein, mit zu erleben.
Bis auf die beiden „schechtesten" Charaktere, Fürst Iida und sein einarmiger Helfer, die ein wenig wie Abziehbilder wirken, sind alle handelnden Personen gut und mehrdimensional charakterisiert und handeln in ihrem Rahmen vernünftig.
Das Buch ist sehr spannend und zumindest der Japan nicht kennende Leser hat das Gefühl, dass ihm eine fremde Kultur deutlich näher gebracht wird. Die Geschichte hat kein wirkliches Happy End und wartet mehr als einmal mit traurigen und schrecklichen Szenen auf. Auch dies dient sehr der Glaubwürdigkeit von Charakteren und Handlung. Obwohl als der erste Band von dreien konzipiert, lässt sich „Das Schwert der Stille" alleine lesen. Die Story ist abgeschlossen und nur wenige Andeutungen im Text geben kleine Hinweise auf die Fortsetzungen. Allerdings sehnt man sich trotz fehlendem Cliffhanger am Ende nach dem nächsten Band.
Fazit: Ich habe lange kein so spannendes, mitreißendes und befriedigendes Buch gelesen. Ich brauchte für die 370 Seiten knapp zwei Tage (nur einer davon war ein Feiertag) und ich habe jede Minute, die ich nicht lesen konnte nur daran denken müssen, dass ich gleich weiterlesen will. Einziger Kritikpunkt am Buch selbst: Die zu kurz gekommene Charakterisierung der Oberbösewichte. Aber das gibt nicht den Ausschlag und deshalb 5 dicke Sterne für mein neues Lieblingsbuch.
Eine handfeste Kritik habe ich allerdings noch am deutschen Verlag:
1. Wieso dieses Buch unter Jugendbuch firmiert ist mir ein Rätsel. Die Protagonisten sind Jugendliche und die Sprache ist nicht kompliziert. Das ist aber auch schon alles. Das Buch würde ich Jugendlichen frühestens ab 14 Jahren empfehlen, aber ebenso jedem Erwachsenen, der keine Vorurteile gegen Fantasy-Elemente hat.
2. „Das Schwert in der Stille" handelt manchmal von einem Schwert und ganz selten von Stille. Aber wenn man etwas vergebens darin sucht, dann ist es ein „Schwert in der Stille"!! Der Deutsche Titel ist schlicht und einfach falsch. Da hat irgendein Übersetzer, Lektor oder Redakteur überhaupt nicht nachgedacht. Auf Englisch hat das Buch den wunderschönen und passenden Titel: „Across the Nightingale Floor" - „Über den Nachtigallenboden". Der Nachtigallenboden ist ein Boden dessen Bretter, wenn man darüber geht Geräusche von sich gibt, die an das Singen der Nachtigall erinnern. Im Buch spielen diese Böden eine wichtige Rolle und dienen zum Schutz vor Attentätern, die sie lautlos überschreiten müssten, um an ihr Opfer zu gelangen.