Der Untertitel "Die große Irland-Saga" wird dem Buchinhalt nicht ganz gerecht, denn es handelt sich viel mehr um eine Ansammlung vieler Sagen von und über die "Grüne Insel". Aus gutem Grund findet sich somit auch das Wort "Roman" nicht auf dem Cover.
Die Geschichte um Ronan O'Mara, der sich als kleiner Junge von dem Geschichtenerzähler begeistern lässt und im Laufe seines Lebens die Suche nach diesem nie aufgibt, ist nur ein Vehikel um die eigentlichen Sagen Irlands zu transportieren. Immer wieder trifft Ronan in Briefen, über das Radio, Fernsehen oder Erzählungen auf die alten Geschichten Irlands, die der Geschichtenerzähler zum Besten gibt. Quantitativ gesehen nehmen die Sagen fast genau soviel Raum ein wie die eigentliche Geschichte. Daher könnte man hier auch bedingt von einem Reiseführer sprechen, sollte man vorhaben, die mythischen Orte Irlands zu besichtigen.
Dabei werden diese Sagen jedoch nicht in einer gewohnt alt-ehrwürdigen Sprache vorgetragen. Viel mehr ist diese recht modern gehalten und hat sehr viel von einem Bericht, was Einblicke in die Figuren verhindert. Das mag für die Sagen angemessen erscheinen, jedoch hat es der Autor leider nicht geschafft, die Sprache zwischen der Realität (Ronans Leben und die Suche nach dem Erzähler) und den Sagen, zu variieren. So bekommt man als Leser leider so gut wie keinerlei Möglichkeiten, in die Persönlichkeiten der Figuren des Romans einzutauchen. Ronan bleibt eine Figur ohne wirkliches Eigenleben. Lediglich gegen Ende des Buches hin, beginnt die Geschichte etwas Tiefgang zu bekommen und gewährt auch emotionale Einblicke in die Figur des Ronan, um schlussendlich in einem schönen und runden Ende abzuschließen.
Leider kommt beim Lesen auch der Eindruck auf, als haben wir hier schon das Höchste an Sprachfähigkeit des Autoren gelesen. Längst "verbrannte" Phrasen häufen sich und wirken eher störend als bereichernd.
Summa Summarum scheint das Buch für all jene geeignet zu sein, die sich für die Sagen Irlands interessieren und diese gerne in einer neuen Art und Weise präsentiert bekommen möchten. Die Idee, dem Leser die Sagen eines Landes, eingebettet in eine eigene Geschichte, näher zu bringen, ist durchaus kreativ. Dennoch verhindern die fehlenden Einblicke in die Figuren des Buches und die gleich bleibende Sprache, das wirkliche Eintauchen in die Geschichte. Vielleicht hätte ich mich eher auf dieses Buch einlassen können, wenn ich im Vorfeld mehr über seinen eigentlichen Aufbau gewusst hätte...