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Produktinformation
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Was Franzen jedenfalls damals schon konnte, ist, den Leser über fast 700 Seiten gefesselt zu halten und für seine Charaktere zu interessieren. Handlungsgerüst und Grundkonstellation allerdings wirken arg konstruiert, die Symbolik -- das Beben der Erde spiegelt die persönlichen und gesellschaftlichen Erschütterungen -- zu aufgesetzt. Im Mittelpunkt der fassettenreichen Handlung steht die Familie Holland, in der man selten die Kraft hatte, an einem anderen Leben als dem eigenen Interesse zu zeigen oder auch nur vorzutäuschen. Bei leichten Erdstößen in Massachusetts ist ausgerechnet Louis Hollands Stiefgroßmutter das einzige Todesopfer. Seine Mutter dagegen erbt dadurch ein millionenschweres Aktienpaket eines Chemiekonzerns. Die Erdbeben gehen weiter und der 23-jährige Louis lernt zufällig die Seismologin Renée kennen, die wiederum den Konzern verdächtigt, durch das Einpumpen giftiger Rückstände in ein kilometertiefes Bohrloch die Beben auszulösen. Louis verliebt sich in die sieben Jahre ältere Renée und zerstreitet sich mit seiner Mutter ob des unerwarteten Geldsegens, auch weil diese seine Schwester bevorzugt.
Schweres Beben ist Familiendrama -- mit den für Franzen typischen tragikomischen Zügen --, aber auch Umweltkrimi und Gesellschaftsroman mit ziemlich deutlicher Kritik, ebenso am Kapitalismus wie etwa an fundamentalistischen Abtreibungsgegnern oder den Medien. Aber am beeindruckendsten an diesem Werk ist vielleicht die Liebesgeschichte zwischen den zwei Außenseitern Louis und Renée, die dem Roman nach vielen Irrungen und Wendungen sogar ein versöhnliches Ende beschert. Mit den unvergesslichen Lamberts aus den Korrekturen können die Hollands zwar nicht mithalten. Aber die Wartezeit auf den wirklich neuen Roman von Jonathan Franzen kann Schweres Beben doch recht vorzüglich verkürzen. --Christian Stahl
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Robert Altman der Literatur,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
"Schwere Beben" entstand 1992 und weist stilistisch bereits den Weg zum Nachfolger "Die Korrekturen". Wieder wird das Innenleben einer Familie, der Familie Holland, akribisch seziert. Wieder wechselt Franzen innerhalb des Romanes die Perspektive und zerlegt den Roman dafür in vier Teile, chronologisch geordnet und doch subtil mit Rückblenden angereichert, die dem Leser zum rechten Zeitpunkt das eben Nötige enthüllen. Doch Franzen wäre nicht Franzen, würde er es sich und uns so einfach machen, denn jeder Teil des Romanes beinhaltet subtile Perspektivwechsel, als wolle er damit unterstreichen, dass im Leben nichts so ist, wie es scheint, dass alles in Bewegung ist: die weiten Passagen, die im wesentlichen und sehr akribisch Louis Holland begleiten, enfant terrible der Familie und überhaupt nicht zufrieden damit, dass seine Mutter dank einer Erbschaft jetzt Millionärin ist und sich augenblicklich daran macht, das Geld auszugeben; jene Passagen, am Anfang und am Ende des Romanes, legen den Fokus zunächst und sehr kurz auf seine schnöselige Schwester Eileen. An dem Punkt, an dem sich Louis von seiner Freundin Renee Seitchek trennt, im Mittelteil, wechselt Franzen die Perspektive und übergibt den Stab an Renee, die die Geschichte durch ihre geradezu detektivische Arbeit nunmehr vorantreibt, und doch beginnt er diesen zweiten Teil zunächst mit einer eingehenden Skizzierung ihres Studienkollegen Howard Chung. In dem Moment jedoch, in dem ein Anschlag auf sie verübt wird, wechselt er zurück zu Louis, der gerade im Haus seines Vaters Bob ankommt, um sehr schnell und unvermittelt auf diesen überzuspringen und ihm und seinen Erinnerungen Raum zu geben, die einiges von den Hintergründen der Geschichte zu enthüllen haben.Und Franzen wäre nicht Franzen, wenn sich der Titel (im Original "Strong Motion") nur auf die Erdbeben-Serie bezöge, die den Großraum Boston heimsucht und als erstes Louis' exzentrische Großmutter zum Opfer hat. Denn damit, genauer mit ihrem bereits erwähnten Erbe, beginnen die Probleme, brechen alte Konflikte auf und entstehen neue Kontakte. "Seit acht Jahren versuche ich, meinen Sender politikfrei zu machen", erklärt der Exilrusse Bressler Louis Holland, der als Techniker in seiner Radiostation arbeitet. "Es ist mein amerikanischer Traum - ein Sender, in dem den ganzen Tag geredet wird (keine Musik, das wäre ge-mo-gelt!), ohne dass EIN Wort über Politik fällt. Ein Radio, das den ganzen Tag Wortbeiträge bringt und keine Ideologie. Reden wir über Kunst, Philosophie, Humor, das Leben. Reden wir darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und je näher ich meinem Ziel komme - man kann es in Grafik zeigen, Louis -, je näher ich meinem Ziel komme, desto weniger Leute chören mir zu!" So wie die Vision von Louis' Chef scheitern muss, weil Politik zu dem gehört und sich einmischt in das, was es heißt, ein Mensch zu sein, so drängt das Große und Ganze quasi als Beweis auch in das Leben der Familie Holland und stellt sie vor eine Zerreißprobe. Und so ist auch dieser Roman das Psychogramm einer Familie und gleichzeitig das eines ganzen Landes, einer ganzen Gesellschaft. Denn je mehr Louis' Freundin Renee, die engagierte Seismologin, sich mit den Ursachen der Erdbebenserie um Boston beschäftigt, um so mehr gerät sie in einen Umweltskandal, der ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Wirtschaft wirft und darauf, dass - wir ahnten es - die Moral vor der Tür zu bleiben hat, wenn es ums ganz große Geld geht. Ein Konflikt, der wiederum in die Familie Holland hineingetragen wird, denn hinter den ganzen Vorgängen steckt ausgerechnet der Chemiekonzern Sweeting-Aldren, dessen Großaktionärin Louis' Mutter durch das Antreten ihrer Erbschaft plötzlich ist. Und so verwebt Franzen die Wege all seiner Protagonisten kunstvoll und leichthändig und erweist sich einmal mehr als ein Robert Altman der Literatur. Franzen macht schon bei diesem Roman alles richtig: die Sprache ist ausgefeilt (und gut übersetzt), die Geschichte melancholisch und humorvoll zugleich und der Plot an den richtigen Stellen gebrochen. "Schwere Beben" bietet somit 685 anregende Seiten mit hervorragender amerikanischer Literatur. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Keine Chance gegen die "Korrekturen", oder doch?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Gebundene Ausgabe)
Ich sags gleich raus: Franzen hat mich mit seinen "Korrekturen" gepackt, wie schon seit Jahren kein Autor. Natürlich waren die Erwartungen gegenüber dem Frühwerk etwas geschmälert. Und wer - und davon gehe ich bei den meisten aus - die "Korrekturen" schon intus hat, wird zumindest phasenweise enttäuscht. sein. Gut, die Rahmenhandlung ist fast spannender, fast realistischer, wenngleich etwas weltverschwörerischer. Doch um die Story geht es nicht, es geht um die Darstellung der Charaktere und natürlich um die detailverliebten Darstellungen, die manchen Lesern ja auch langatmig vorkommen können. Mag der Autor hier noch nicht so perfekt gewesensein, wie später bei den Korrekturen, so liegt vielleicht gerade darin die Faszination. Mal ähnelt die Detailtreue den Korrekturen, mal ist sie weit schwächer ausgeprägt. Das ist nicht unspannend.Aber: Die beiden Hauptcharaktere werden brilliant dargestellt, und zumindest ich habe - obwohl von Alter und Sozialistion doch eher den Korrekturen-Helden mehr zugetan - beim Lesen nicht absetzen können, wurde vom Autor noch mehr gepackt als bei den Korrekturen, zumindest phasenweise. Natürlich ist das alles subjektiv: Schon auf den ersten Seiten fand ich "Schweres Beben" zumindest gut, dann begann eine Phase, in der mir das an "Korrekturen" erinnernde Strickmuster langweilig wurde - aber nur kurz, dann war ich drinnen und wollte immer nur mehr, mehr und mehr - so wie seinerzeit schon bei den Korrekturen, nur war diesmal meine Gier noch unbändiger. Ich weiß nicht, ob man "Schweres Beben" nicht besser vor "Korrekturen" lesen sollte, aber auf alle Fälle ist es neben seinem Hauptwerk das empfehelenswerteste Buch von Franzen - und wie gesagt, mich hat es unglaublich gepackt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ganz ok - aber mehr nicht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
Nicht immer ist Lesen das wahre Vergnügen. Manchmal ist es fast wie Arbeit. Dann nämlich, wenn man sich vorgenommen hat, vom Autor eines der besten Romane der letzten zehn Jahre auch die beiden Vorgängerwerke zu lesen. "Schweres Beben" ist genauso umfangreich wie Korrekturen, es wird wieder eine Familiengeschichte erzählt, es ist auch von Jonathan Franzen - aber das waren dann auch schon die Gemeinsamkeiten. Der zweite Roman von Franzen ist lediglich Durchschnittsware. Ein Plot auf Michael Crichton-Niveau etwas literarisch aufgewertet. Und gerade das stört. Immer wieder unterbricht Franzen den Erzählstrang durch langatmige Beschreibungen von Stadtvierteln, wirren Gedankenspielen seiner Protagonisten und in die Länge gezogenen Dialogen. Mein Gefühl: hier übt einer für den ganzen großen literarischen Wurf. Dies soll ihm aber erst in seinem nächsten Roman gelingen.Trotz der knapp siebenhundert Seiten kann ich mich mit keiner der Figuren der Romanfamilie Holland anfreunden. Weder mit der lieblosen Mutter, der oberflächlichen Tochter, den Alt-68er-Vater und auch nicht mit der Hauptfigur Louis. Franzen scheint sie alle selbst nicht zu mögen. Und obwohl Louis detailliert beschrieben und erzählerisch minutiös begleitet wird, bleibt diese Figur seltsam farblos. Auf dem Buchrücken steht: ...eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit". Vielleicht bin ich ja gefühlskalt, aber von Liebe habe ich in diesem Buch überhaupt nichts gelesen. Wenn die in vieler Hinsicht merkwürdige Beziehung zwischen Louis Holland und der Wissenschaftlerin Renee wirklich eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit sein soll, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Zeit machen. Er ist mit ihr zusammen, weil keine andere sich für ihn interessiert, verlässt sie sofort, als die junge hübsche Lauren wieder auftaucht und kommt schließlich wieder zu ihr zurück, weil die biestige Lauren ihn nicht ran lässt. Sie nimmt ihn, weil er nicht locker lässt, sich penetrant bei ihr festsetzt und ihr scheinbar sowieso alles egal ist. Am Ende entscheiden sich beide für den Spatz in der Hand, weil die Tauben auf dem Dach für beide unerreichbar sind. Was gut rüberkommt und das Buch trotz allem doch lesbar macht, ist die Beschreibung der Lieblosigkeit der Mutter, die Entfremdung und Kälte zwischen den Geschwistern und die durchaus spannende Geschichte über ein sich unethisch verhaltenes Chemieunternehmen. Das wars dann aber auch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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