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Für Marie hingegen wird es Zeit, sich endlich um ihr Leben selbst zu kümmern und eine Familie zu gründen. Stark auf die Vierzig zuschlitternd, hat sie endlich einen Heiratsantrag bekommen, die Pille ist abgesetzt. Alles könnte in geordneten Bahnen laufen. Aber Marie hat auch eine tote Tante, die sie noch aus dem Jenseits mit klugen Ratschlägen verfolgt. Sie hat eine Cousine, die nicht weiß, wer der Vater ihres Kindes ist. Sie hat einen schwulen Schulfreund, der endlich Vater werden will. Und sie hat eine Freundin, die ihren Mann mit Leidenschaft betrügt. Aber hat sie in all dem Alltags- und Beziehungschaos ihrer Umgebung auch einen Mann, der zum Gatten taugt?
Seit ihrem Bestseller Mondscheintarif gilt die Hamburger Journalistin und Autorin Ildikó von Kürthy laut Welt am Sonntag als „Spezialistin für den schlauen Frauenroman“. Das stimmt nur bedingt. Nicht, dass es den schlauen Frauenroman wegen der darin zwangsläufig zu Tage tretenden Klischees nicht gäbe (schließlich ist nichts so klischeebehaftet wie die Wirklichkeit). Aber „schlau“ ist einfach das falsche Attribut. Ildikó von Kürthys Frauenromane sind klug, vor allem aber sind sie witzig. So ist es auch mit Schwerelos. Da muss man als Frau - aber auch als Mann - immer wieder herzlich schmunzeln: eben darum, weil man sich in dem ein oder anderen komischen Klischee selbst wiedererkennt. Beste Unterhaltung also: auf hohem, teils auch hochhackigem Niveau. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Ob mit „Mondscheintarif", „Freizeichen" oder „Höhenrausch" - Ildikó von Kürthy gelingt ein Bestseller nach dem anderen. Im Amazon.de-Interview erzählt sie von ihrem neuen Roman: von den Schwierigkeiten, seinen eigenen Weg zu gehen, von Kinderwunsch und Liebhabern, Vernunftehen und Kompromissen, und von der Gabe, über seine eigenen Fehler lachen zu können. Frage: Rosemarie lebt seit Jahren mit Frank zusammen. Die Vernunft rät ihr, ihn zu heiraten - er ist zuverlässig, kann sich Termine merken, hat einen sicheren Job. Aber irgendwas scheint zu fehlen?
Ildikó von Kürthy: Ja, die Unvernunft, das Unerwartete und das
Gefühl, sich nicht mit einer Lebenslösung zu arrangieren, bloß weil man sich nie getraut hat, von etwas Atemberaubendem zu träumen. Rosemarie ist eine vernünftige, pragmatische Frau, die es nicht wagt, viel zu erwarten. Aber wer wenig will, bekommt auch wenig, das erkennt sie, beherzigt es und wird dafür mit einem ungeahnten Happy End belohnt.
Frage: Einen schönen Kontrast bilden Rosemarie und ihre Tante. Letztere meint: „Ich mache meine Fehler aus Unvernunft, du aus Vernunft." Was meint sie damit?
Ildikó von Kürthy: Zu viel Vernunft hält einen oftmals vom Vorwärtskommen ab. Und zu viel Unvernunft führt einen oftmals zu schnell auf die falschen Wege. Wie immer geht es darum, das richtige Maß zu finden, beides zur rechten Zeit zu sein, übermütig und bedacht, planvoll und spontan, nachdenklich und gedankenlos.
Frage: Mit Tante Rosemarie, Leonie, Regina, Erdal werden ganz unterschiedliche Lebensmodelle gezeigt. Egal wofür man sich entscheidet - bleibt immer die Versuchung, der Zweifel, nur das zweitbeste Modell gewählt zu haben?
Ildikó von Kürthy: Mit dem Zweitbesten sollte sich niemand zufrieden geben. Das Problem ist aber, dass es nicht nur die eine beste Lösung, nicht nur die eine beste Möglichkeit gibt, das eigene Leben zu leben. Aber es gibt nur das eine Leben. Das ist sehr bedauerlich, und eine Rest-Sehnsucht bleibt nach dem, was man noch alles Schönes mit diesem Leben hätte anfangen können.
Frage: Mit Erdal begegnen wir einem unglaublich komischen und unerreicht narzisstischen Schulfreund von Rosemarie. Ist er ein Wiedergänger aus „Höhenrausch"?
Ildikó von Kürthy: Es ist genau der Erdal aus „Höhenrausch" und auch schon aus „Blaue Wunder". Ich finde den so lustig, so toll, so herrlich neurotisch, dass ich ihn einfach nicht gehen lassen wollte. Ich könnte mir vorstellen, dass er mich für immer durch meine Romane begleiten wird.
Frage: In Ihren vorherigen Büchern ging es häufig um die Suche von Single-Frauen um die dreißig nach Mr. Right. In „Schwerelos" haben wir es mit Frauen (und Männern) zu tun, die einen Schritt weiter sind. Wonach sucht man in diesem Lebensabschnitt?
Ildikó von Kürthy: Nach Perspektiven für die zweite Lebenshälfte. Dem schwulen Paar, Erdal und Karsten, fehlt ein Kind zu ihrem Glück. Regina glaubt, zu einer glücklichen Ehe gehöre ein Geliebter. Leonie sucht nach einer Familie für ihr ungeborenes Kind, und Rosemarie fragt sich, ob ihr Mr. Right wirklich noch der Richtige ist. Sie hat sich verändert und macht sich auf die Suche nach passenderen Träumen.
Frage: Die Männer machen meist keine so gute Figur in „Schwerelos" ... Beim genauen Hinsehen die Frauen aber auch nicht. Liegen der Unterhaltungswert und Charme des Buches auch in der Unvollkommenheit, die jeder von sich selbst kennt?
Ildikó von Kürthy: Ja. Wer über sich selbst und seine Fehler lachen kann, ist auf dem besten Wege, sich entweder zu verändern oder zu verzeihen. Menschen ohne Selbstironie sind mir unheimlich - und garantiert nicht unter meinen Lesern zu finden, weder den weiblichen, noch den männlichen.
Die Fragen stellte Henrik Flor, Literaturtest.
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