Aus der Amazon.ch-Redaktion
Kommissar Berndorf kann nicht auf allzu viele Freunde zählen, weder in der Polizei noch in der Politik und schon gar nicht im Baugewerbe. Doch die Leser werden dem leicht bärbeißigen und literarisch gebildeten Kommissar -- Lichtenberg-Lektüre steht im Vordergrund -- die Stange halten. Denn was zuerst aussieht wie ein Brandanschlag von Neonazis auf die Unterkunft italienischer Bauarbeiter zieht immer weitere Kreise in die beste Ulmer Society -- oder steckt gar die ehrenwerte Gesellschaft dahinter? Ulrich Ritzel bestellt sein Personal mit umsichtiger Raffinesse. Die Besetzungsliste findet sich übrigens auf der Innenseite der Umschlagklappen. Das "Verzeichnis wichtiger Personen" versammelt sie alle: die Akteure im Gericht, die Montagsrunde der Rotarier, die Polizisten im Neuen Bau oder das politische Personal im Dunst der Staatspartei. Bereits die Figuren lassen auf die Geschichte schließen, Ritzel verschachtelt die Story zu Höchstspannung, lässt die Leser mitunter an der langen Leine laufen und gibt ihnen einen kleinen Vorsprung, nur um unvermittelt das Tempo wieder aufzudrehen, scheinbare Nebenschauplätze werden plötzlich zentral, Verbindungen eröffnen sich. Mit unbändiger Lust platziert Ritzel Mord und Rache, Vergewaltigung und Kindsentführung in Tiefgaragen, auf Hanffeldern, Bauernhöfen und Bootshäuschen am Bodensee. Dabei bedient er sich der ganzen Palette an Mordwerkzeug, dass es eine Freude ist. Dem sympathischen Kommissar gereicht zur Ehre, dass nicht alle Untaten geahndet werden. Die messerscharfe Spur verliert sich zwischen Schwemmholz im Bodensee.
Mit seinem zweiten Roman um Kommissar Berndorf ist Ulrich Ritzel den hohen Erwartungen nach seinem Debüt Der Schatten des Schwans gerecht geworden. Und beruhigt liest man, dass er bereits wieder am Recherchieren sei. --Martin Walker -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Kantig, nachdenklich, leicht melancholisch und literarisch gebildet. Das ist Kommissar Berndorf, mit dem sich Ulrich Ritzel seit seinem erfolgreichen Erstling "Der Schatten des Schwans" zu den Großen des Krimigenres gesellt hat. Für seinen zweiten Berndorf-Krimi "Schwemmholz" wurde er mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und für den Glauserpreis nominiert. Beim Frühjahrshochwasser wird in Ulm nicht nur "Schwemmholz" angetrieben - in einem überfluteten Neubau taucht eine Leiche auf. Kommissar Berndorf und seine Assistentin Tamara Wegenast auf den Spuren eines groß angelegten Komplotts um Gelder, Großaufträge und Gefälligkeiten, in das mehr als nur ein Würdenträger verwickelt ist und das Berndorf fast das Leben kostet ...
Über den Autor
Ulrich Ritzel, geboren 1940, gilt als einer der besten Kriminalautoren Deutschlands. Nach seinem Jurastudium arbeitete er jahrelang für verschiedene Zeitungen, 1981 erhielt er für seine Gerichtsreportagen den renommierten Wächter-Preis. Seine Kommissar-Berndorf-Krimis »Schwemmholz« und »Der Hund des Propheten« wurden preisgekrönt, sein Roman »Beifang« wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2010 ausgezeichnet. Ulrich Ritzel lebt seit 2008 in der Schweiz.