... aus der Sicht des deutschen Kabarettisten und Schriftstellers Thomas C. Breuer ist ein amüsanter Lesegenuß; denn Breuer ist passionierter Bahnfahrer und zieht bei seiner Schweizerreise gelungene Vergleiche zu Deutschland oder den USA. Einem öden Provinzbahnhof entlockt er die ganze Absurdität des Daseins und bisweilen reine Poesie. Schweizer Klischees überzieht er mit komischen Beschreibungen des realsatirischen Alltags und melancholischem Kontrastporgramm. Das alles geschieht mittels genauer und feiner Beobachtungsgabe plus Wortwitz. Bei Sprachscherzen bin ich ja sehr eigen: Ich reagiere darauf noch empfindlicher als bei Gedichten auf Reime. Gerade comedy-typische Wortspiele im Fernsehen sind oft dermaßen plump, daß ich immer laut aufstöhnen muß, wenn ich dann nicht schnell genug an meine Fernbedienung rankomme, um wegzuzappen. Nicht so der Witz von Thomas C. Breuer. Er quält und biegt sie nicht, die Worte, sondern er hat ein Auge für die innere Komik der Rohware. Egal ob Hinweisschild, Restaurantname oder Ortsbezeichnung - Breuer fügt nur einen zunächst harmlos scheinenden Halbsatz an und schon muß man grinsen. Manchmal ist die Ironie ein wenig verzwickt und kommt zeitverzögert im zuständigen Gehirnareal an. Das ist dann wie bei dem guten Nachgeschmack, den ein edler Wein lange auf der Zunge hinterläßt.
Manchmal hat Breuer seinen kurzen Beschreibungen auch ein - meistens selbst fotografiertes - Bild beigefügt. Diese Fotos sind auf die gleiche Weise witzig wie der Text und runden das Ganze wunderbar ab. Durch ein wenig Autobiographie wird das Buch sehr persönlich: Immer mal wieder ist von verschiedenen großen und kleinen Kümmernissen des Autors die Rede. Ärger über scheußliche Bahnhofsgestaltung, schlechte Restaurants, Nebel im Hochgebirge, unangenehme Mitreisende. Trotzdem bin ich froh, daß Breuer 1986 diesen einen, richtig schlimmen Liebeskummer hatte, sonst wäre er nämlich nicht an diese einzigartige Mischung aus Reisen und Schreiben gekommen, dem ich dieses witzige und originelle Buch verdanke.
"Schweizfahren" sollte in jeder deutschsprachigen Bahnhofsbuchhandlung südlich von Stuttgart stehen. Ich empfehle es insbesondere denjenigen, die mit dem Zug in die Schweiz wollen.