Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat nicht nur großartige Werke geschrieben, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz von Helvetismen geliefert. Denn die Rezeption seiner Romane, Theaterstücke und Tagebücher dreht sich auch oft um die Frage, was korrektes Standarddeutsch sei und wo die Grenzen zu regionalen Mundarten gezogen werden sollen. Heute gilt es unter Sprachforschern und Germanisten als unumstritten, dass das Hoch- oder Schriftdeutsche keine einheitliche Sprache, sondern eine Mischung verschiedenen Varianten ist. Dazu gehören selbstverständlich auch die Austriazismen.
Im Gegensatz zu Vollwörterbüchern enthält dieser 96 Seiten umfassende Band nur den Teil des Wortschatzes, der spezifisch schweizerisch ist oder vom allgemein bekannten, in allen deutschsprachigen Ländern geläufigen gemeindeutschen Wortschatz abweicht. Zudem wird auch auf Unterschiede in der Aussprache und Rechtschreibung hingewiesen. Die Duden-Redaktion betont in der Einleitung, dass regionale Besonderheiten keine Abweichungen vom richtigen Standard, sondern gleichberechtigte standardsprachliche Erscheinungsformen des Deutschen sind. Das gilt auch für die Lehnwörter, bei denen sich die vielen Unterschiede durch die Viersprachigkeit der Schweiz erklären.
Wie Helvetismen entstehen, wird in der kurz gehaltenen Einleitung verständlich erklärt. Die Worterklärungen im folgenden Wörterbuchteil werden auf verschiedene Arten gegeben: Mit einem im ganzen Sprachraum bekannten Wort oder mit einer Umschreibung. Haben mehrere Helvetismen die gleiche Bedeutung, wird nur die am häufigsten vorkommende Variante definiert. Das eigentliche Wörterbuch umfasst siebzig Seiten. Danach folgen die Kapitel: Besondere Wortschatzbereiche - Grammatik - Schweizerhochdeutsch in den Wörterbüchern - ausgewählte Literatur zum schweizerischen Deutsch.
Mein Fazit: Als Schweizer, der oft in Deutschland arbeitet und Vorträge hält, mache ich die äußert angenehmen Erfahrung, dass meine Helvetismen als legitime Varianten der deutschen Hoch- oder Schriftsprache aufgenommen werden. Beim Schreiben versuche ich allerdings darauf zu achten, in Deutschland ungebräuchliche Lehnwörter und allzu fremde Helvetismen zu vermeiden. Dazu dient mir die Wortliste mit rund 3'000 Einträgen, die für Lektoren und Korrektoren natürlich zur Pflichtausstattung gehört.