Dieser Einleitungssatz könnte zwar auch von mir stammen; gesagt hat ihn allerdings Tanja Grandits, Köchin, und zwar auf S.7 dieses hier vorliegenden Meisterwerks.
In meiner ganz privaten Hobby-"Bibliothek" befinden sich derzeit immer noch weit mehr als ~220 Bücher, die das Thema "Ernährung" sowohl im engsten als auch im weitesten Sinne zum Inhalt haben -- denn nicht nur das Kochen selbst, sondern auch das Sammeln, Lesen, Durcharbeiten und gelegentlich durchaus kontroverse Debattieren von Koch- und Sachbuchinhalten rund um unsere Ernährung, also nicht nur zu Essen, Trinken oder Kochen, gehörte zu einem Feierabendvergnügen, dem mein Mann und ich viele Jahre nahezu lüstern frönten -- na ja, da ist so einiges an Literatur zusammengekommen.
Unmengen unserer attraktiven Sachbücher habe ich inzwischen an dankbare Abnehmer verschenkt, weil jene Bücher in meinem schicksalhaft-unfreiwillig geschrumpften Haushalt erwartungsgemäß, situationsbedingt, wohl nicht mehr zur Anwendung kommen werden. Vielmehr lasse ich mich fürderhin von meinem gesunden Menschenverstand --- und von meinen äußerst sensiblen Sinnen leiten ...
Ein hoffnungslos von Sterne- oder auch Pseudo-Sterne-Köchen überfrachteter Kochbüchermarkt zwingt ohnedies zu einer gnadenlosen Selektierung -- denn bekanntlich hat auch der elfhundertneunundneunzigste Kochbuch-Aufguß jedes irgendwie hochgepuschten "Starkochs" gewöhnlich seinen erheblichen, zuweilen frevelhaft unangemessenen, Preis.
Deshalb habe ich begonnen, mich auf solche Koch- und Sachbücher zu kaprizieren, die tatsächlich etwas ganz Besonderes sind ... wie dieses hier rezensierte Kochbuch dieser 20 Schweizer Spitzenköche!
Würde ich nicht regelmäßig mit großem Interesse und erheblichem Erfolg für meine stetig wachsende Privat-Bibliothek die Rezensionen des Mitrezensenten Dr. Werner Fuchs lesen, wäre mir die Existenz dieses wundervollen Buches womöglich verborgen geblieben. Das wäre umso bedauerlicher gewesen, als ich bisher von keinem einzigen dieser Köche gehört habe; das ist keineswegs diesen dem Vernehmen nach Spitzenköchen anzulasten, sondern allein meinen veränderten Lebensumständen zuzurechnen ...
Nun - ich las diese großartige Kochbuchbesprechung, bestellte und erhielt dieses Buch umgehend ... und schwelge seither ... in Farben! Hört sich das für Sie sonderbar an? Schauen Sie nur selbst in dieses Kochbuch hinein, und Sie werden sogleich zwei beeindruckten Amazon-Rezensenten zustimmen, sofern sie kein völliger Ignorant einer unübertroffen herausragenden Kochbuch-Konzeption qualitativ hochwertigster Umsetzung einer fabelhaften Idee und einer vorbildlichen Aufmachung sein sollten, die ihresgleichen sucht!
Ob ich schon eines der verführerischen Rezepte ausprobiert habe? Dazu hatte ich bisher noch keine Zeit ... ich mußte nämlich meine Farbpalette zusammenstellen, weil eine sehr liebenswerte Mitmenschin sich schon lange ein individuelles Kleidungsstück aus meiner Hobby-Seidenmalerwerkstatt wünscht. Bisher fehlte mir der ... Kick, aber durch die appetitliche, farbenfreudige, gleichwohl geschmackvolle Gesamtgestaltung dieses Buches küßten mich alle Musen ...
Aber ja doch, auch die Kochmuse küßte mich:
Merkzettelchen zum Nachkochen für mich besonders "an- und aufregender" Gerichte befinden sich
auf S. 18, André Jaeger: Pochierter Steinbutt mit Nussbutter
auf S. 25, Vreni Giger: Bodensee-Fischsuppe
auf S. 41, Sandro Steingruber: Capuns
auf S. 42, Sandro Steingruber: Lauch-Quiche mit Riesencrevette
auf S. 50, Andreas Caminada: Linsencurry
auf S. 92, Rico Zandonella: Apfeltraum
auf S. 96, Walter Klose: Bodenseezander auf Rahmkohlrabi
auf S. 100, Walter Kloser: Gratinierte Früchte
auf S. 105, Martin Dalsass: Spargelsalat mit pochiertem Ei und Olivenöl-Hollandaise [Olivenöl?-Hollandaise? Hmmh ...?]
auf S. 113, Peter Moser: Kartoffeltorte
auf S. 153, Claude Frôté: Tatar aus Neuchâteler Felchen [sofern ich hier im Rheinland irgendwo jemals Felchen ergattern kann ... von den selbstgeangelten und selbstzubereiteten "Bodensee-Felchen" unseres Wirtes von anno dazumal träume ich jedenfalls heute noch ... seufz!]
auf S. 157, Claude Frôté: Zanderfilet auf Rucolabett
auf S. 161, Reto Lampart: Tomaten-Blätterteigtartelettes mit Ziegenfrischkäse
auf S. 165, Reto Lampart: Marinierte Erdbeeren auf Einback.
Daß ausgerechnet die Rezeptanregungen der Initiatorin Tanja Grandits nicht meiner Geschmacksrichtung entsprechen, betrübt mich doch sehr -- aber manches kriege ich auch heute noch nicht "durch den Hals", wie man so sagt. Koriander z.B., auch wenn alle Welt ihn noch so hochlobt, oder Kümmel ... oder Salzkruste ... och nö! Dafür hat mein ansonsten störrisches Hirnareal, im Volksmund auch "Namensgedächtnis" genannt, diesen Namen sogleich liebevoll registriert. Deshalb mußte auch der Einleitungssatz zu dieser Rezension von Tanja Grandits sein ...
Es geistern viele Schreckgespenster durch die Medien, die wenig Zuversicht erwecken, daß Spendenaktionen "auch mal" von vertrauenswürdigen Quellen initiiert und nutzbringend bis zum eigentlichen "Zielobjekt" weitergeleitet werden. Diese Aktion mit ihren Zauberworten "Schweizer Spitzenköche für Afrika", renommierten Namen wie Karlheinz Böhm und Almaz Böhm, nicht zuletzt aber auch des wohl erst kürzlich zum "Jahrhundertkoch" ausgerufenen Eckart Witzigmann als Initiant "Spitzenköche für Afrika Deutschland" lassen hoffen, daß diesmal kein Schindluder betrieben wird ...
"Mit dem Reinerlös dieser Aktion wird in Äthiopien eine Schule für über tausend Kinder gebaut. Sie erhalten damit längerfristig eine bessere Zukunft. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!"", steht gleich auf S. 1. Notorische Skeptiker wie ich werden sofort leise vor sich hinmurmeln "... Reinerlös? längerfristig? bessere Zukunft? ..."
Na ja ... wolln's Beste hoffen, lieber Leser -- mindestens jedoch kann man sich an einem bildschönen Kochbuch erfreuen, das jedenfalls i c h bereits jetzt zu den Juwelen meiner reichhaltigen Sammlung zähle.
... und wie bereits gesagt: meine Mitmenschin hat gute Aussichten, endlich ihr begehrtes Kleidungsstück von "meiner Seidenmalerin-Künstlerhand" zu erhalten. Andernfalls lade ich sie einfach zum Essen ein und serviere ihr eines dieser verführerischen Gerichte aus diesem tollen Buch ... Ich halte mich da ganz an Tanja Grandits: "Jeder gebe das, was er am besten kann ..."
Wie auch immer -- dies i s t ein Kochbuch für sinnliche Menschen ... und als Käufer darf man sich auch noch darin wohlgefallen, einem guten Zweck zu dienen. "Für mich ist diese Aktion ein schöner Beweis, dass ganz Ausserordentliches entsteht, wenn jeder das gibt, was er am besten kann." [Tanja Grandits, Köchin, S.7] ... Bisher habe ich selbst noch nicht mein Bestes gegeben, sondern nur spontan dieses Buch gekauft. Ist nicht wirklich ein Schnäppchenpreis, zugegeben -- aber dafür ist dieses Buch ein wahres Feuerwerk für die Sinne ... und wenn mich meine Kochrezepteerfahrung nicht trügt, sind auch die Gaumenfreuden gewährleistet ... i c h werd's ausprobieren.
... ach so, ja: Ich bin nicht sehr "süß", erliege eher unverfälschten Genüssen, auch wenn sie etwas "herb" sein mögen -- deshalb steht die geschichtete Rhabarbercreme von S.29 auch ganz oben auf meiner Liste der demnächst nachzuarbeitenden Genüsse. Und wenn's endlich wieder Rhabarberzeit ist, werde ich auch mal den Rhabarberkuchen nach dem Rezept meiner Schwiegermutter backen -- weil der nämlich ebenfalls einmalig gut ist und fast die einzige Kuchen-Verführung, die mich an den Kaffeetisch locken konnte ... auch dazu hat mich dieses Buch motiviert. Ich bin sehr gespannt, welche Inspirationen folgen werden ... aus diesem tollen Buch!