Kurzbeschreibung
"Sexueller Kindesmissbrauch" ist ein emotional und moralisch hochgradig besetztes Thema in der öffentlichen deutschen Diskussion. Das Buch ist einer Bestandsaufnahme und kritischen Beleuchtung dieses Diskurses gewidmet. Die zentrale These identifiziert ihn als Schnittstelle für zahlreiche psychische und soziale Konfliktlagen unserer Gesellschaft sowie als Vehikel für ideologische und ökonomische Interessen verschiedener sozialer Gruppen.
Mittels Analysen der einschlägigen, vor allem feministisch geprägten Fachliteratur sowie mehrerer deutscher Zeitungen werden wesentliche Inhalte der Debatte vorgestellt sowie methodologisch und problemgeschichtliche Trends ermittelt. Der zweite Teil dient einer Erklärung des gewonnenen Diskursprofils: So vermag der Blick auf die Geschichte der neuen deutschen Frauenbewegung vielschichtige feministische Eigeninteressen am Thema zu demaskieren. Dieser Diskurs hat seine eigene Tradition: Es ist das Ergebnis (sozio-)historischer Prozesse sowie der Entwick lung ideeller, teilweise sogar mythisch erhöhter Kinder- und Kindheitsbilder, die in der Missbrauchsdebatte als Projektionen wirksam werden konnten. Auch andere Themenkreise, wie die historisch sich wandelnde Einschätzung des Stellenwerts von Sexualität, der gesellschaftlichen Moral- bzw.- Strafrechtsdiskurs sowie einschlägige soziologische Theorien sozialer Probleme vermögen es, neue Perspektiven auf das gegenwärtig virulente soziale Problem "Kindesmissbrauch zu eröffnen.
Über den Autor
Dr. Monika Rapold, geboren 1966, Studium der Diplom-Theologie und Diplom-Pädagogik an der Universität Bamberg, 2000 Promotion. Sie ist wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl "Allgemeine Pädagogik" der Universität Bamberg.