Ich habe die ersten sechsundzwanzig (von hundert) Lektionen dieses Kurses ohne irgendwelche Vorkenntnisse des Schwedischen durchgearbeitet und bin sehr zufrieden mit meinen Fortschritten. Der didaktische Aufbau dieses Lehrwerkes und die intuitive Assimil-Lehrmethode scheinen mir gut durchdacht zu sein. Vor allem „funktionieren" sie. Gern würde ich den Kurs uneingeschränkt empfehlen, doch gibt es einige Schwächen, auf die ich andere Interessenten hinweisen möchte.
1. Die Verlagswerbung ist marktschreierisch und unzutreffend. Sie verspricht: „Schon nach 2 Monaten können sie sich gut verständigen. Nach weiteren drei Monaten werden Sie sich fließend in Ihrer neuen Fremdsprache unterhalten können", und das angeblich bei einem Lernaufwand von „einer halben Stunde pro Tag".
Dies würde voraussetzen, daß man sich den Stoff jeder Lektion in dreißig Minuten aneignen könnte und täglich eine neue Lektion in Angriff nähme. Was bei den kurzen Lektionen der ersten Kurseinheit (1-7) noch möglich sein mag, dürfte spätestens ab der zweiten Kurseinheit sehr schwierig werden, da der Anspruch dann erheblich steigt.
Ich habe - als völliger Anfänger - bei einem Zeitaufwand von täglich dreißig bis sechzig Minuten pro Tag jede Lektion in drei Tagen unangestrengt durcharbeiten können. In diesem Tempo fortfahrend, würde ich den gesamten Kurs nach einem Dreivierteljahr abschließen. Eher ist eine „fließende Unterhaltung" auf Schwedisch von mir sicherlich nicht zu erwarten.
2. Dieser Kurs bestand früher aus zwei Lehrbüchern mit jeweils vier CDs bzw. Hörkassetten. Bei der „überarbeiteten Fassung" aus dem Jahr 2003, die jetzt angeboten wird, handelt es sich offensichtlich um eine gekürzte Version, die Inhalte der früheren zwei Bände in einem Band zusammenfaßt. Was für die Bücher gilt, gilt aber leider nicht für die begleitenden CDs. So enthält die Multimedia-Version nur das Audiomaterial zum ehemals ersten Teil (CDs 1-4 mit Lektionen 1-50). Die CDs 5-8 zum ehemals zweiten Band (Lektionen 50-100) werden immer noch separat verkauft. Sie kosten derzeit 88,- Euro, die man zusätzlich veranschlagen muß, wenn man wirklich den kompletten Kurs besitzen will.
Dagegen wäre grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn das Audiomaterial tatsächlich acht CDs füllen würde. Doch während der Verlagsprospekt von Assimil insgesamt 340 Minuten Tonaufnahmen verspricht, liefern alle acht CD zusammengenommen nur rund 280 Minuten Tonmaterial. Die aber hätten ohne weiteres auch auf vier CDs gepaßt. Es mag auf Verlagsseite allerlei einleuchtende geschäftliche Gründe geben, warum Assimil immer noch die alten CDs zum neuen Lehrbuch verkauft. Für den Kunden ist es jedoch eine Zumutung, acht CDs zu einem höheren Preis kaufen zu müssen, wenn vier es auch getan hätten.
3. Die Überarbeitung des Kurses hat anscheinend noch zu einigen weiteren Mißlichkeiten geführt. So finden sich vereinzelt Übungssätze, die wohl aus der früheren Fassung stammen, deren Lösung man aber im Lösungsteil vergeblich sucht. In Lektion 26 war ich jetzt erstmals mit der Situation konfrontiert, daß im Aufgabenteil Vokabeln vorausgesetzt wurden, die im Kurs bislang nicht vorkamen (da vermutlich der Kürzung zum Opfer gefallen). So etwas schmälert natürlich das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Kurses.
4. Noch ein Ärgernis: Eigentlich wird jede Lektion mit einem recht gelungenen Cartoon illustriert, das neben der Auflockerung auch einem didaktischen Zweck dient; doch obwohl der Cartoonist so zuvorkommend war, seine Zeichnungen mit den entsprechenden Lektionsnummern zu versehen, hat man es fertiggebracht, mindestens zwölf Illustrationen den falschen Lektionen beizugeben - das Cartoon für Lektion 27 findet sich zum Beispiel in Lektion 40 (und in Lektion 27 das für Lektion 29). Besonders ärgerlich finde ich, daß dieser Lapsus auch nicht in der später erschienenen CD-ROM behoben wurde.
Fazit: Wer bereit ist, die nötige Zeit (und ggf. das nötige Geld für zusätzliche CDs) in diesen Kurs zu investieren und sich auch an einigen kleineren Mängeln nicht stört, kann unbesorgt zugreifen. Der Kurs macht Spaß und bringt einen rasch voran. Ich lerne mit der Assimil-Methode zum Beispiel wesentlich effizienter und „intuitiver" Schwedisch als mit dem ebenfalls recht kostspieligen Rosetta-Stone-Programm. Wer allerdings glaubt, mit diesem Kurs nach fünf Monaten fließend Schwedisch sprechen zu können, besitzt entweder gute Vorkenntnisse, ist ein ausgesprochenes Sprachtalent oder sollte sich auf eine Enttäuschung gefaßt machen.