Einen qualitativen Overtake eines deutschen Raplabels hat man in den letzten Jahren relativ selten miterleben können und so langsam kann man diesen Umstand Edit Entertainment attestieren ' mit Team Avantgarde, Amewu, Chefket, Gris und Meyah Don (der sein Album im Dezember veröffentlichen will) hat das Berliner Label einen der potentesten Künstler Kader in Deutschland, die feinsten Rap mit Sinn, Technik und zuteilen genialen Produktionen vereinen. Auf diese Veröffentlichungswelle seit Anfang des Jahres springt nun auch Gris auf, der sein Album 'Schwarzweiss in Farbe' veröffentlicht.
'Ich hab Geschichten, Bilder und Musik.'
Zuviel verspricht Gris keinesfalls, denn bereits im Intro vermittelt er mit nur einem Satz das gesamte Spektrum seines Albums und stellt wieder klar: Edit hat schon wieder ein heißes Eisen im Feuer und Gris bringt mit 19 Songs ein Album erster Klasse auf den Markt. Der Fokus liegt dabei ganz besonders auf den Texten, die nur so vor Fantasie, Poesie und Humor strotzen. Als fähige Gäste hat Gris bekannte Gesichter eingeladen, die größtenteils aus den eigenen Reihen stammen: Phase, BobaFettt, Meyah Don, Estess, Chefket und Wakka.
Egal, ob 'G.R.I.S.' einen Battletrack auf einem Aufdreh-Beat hinlegt, den 'Opferboogie' auspackt, zeitgleich ein 'Danke' an die früheren Idioten rausschickt oder über das Leben sinniert, das soviele Farben wie ein 'Tuschkasten' vereint ' Gris packt den Hörer immer im richtigen Moment und die Skip Taste zu betätigen auf diesem Album wäre wohl lediglich eine Bestrafung für sich selber. So wunderschön atmosphärische Storyteller wie 'Himmelsmechanik' oder auch 'Schall und Rauch' zeigen die Klasse eines Gris', der eben weiß wie er sich auszudrücken hat und keinen peinlichen Moment aufkommen lässt, selbst wenn es um die Liebe des Lebens geht in 'Ask Sarkisi', das ganz lapidar die türkische Übersetzung für Liebessong heißt ' einer, der zwar einen simplen Titel hat, aber in seinem Komplex eine ungeahnt tiefe Atmosphäre und herzergreifende Zeilen verbindet. Es ist nämlich die Tiefe in den Songs und die wirksame Bildgewalt, die Gris auf seinem Album auffährt, die beispielsweise aus 'Gletscherwasser' einen weiteren mächtig antreibenden Battletrack machen. Das besondere an diesem Album ist eben auch, dass typische Hip Hop Themen mit einem erweiterten Sprachgebrauch eingebracht werden und einige künstlerische Elemente neben den ganzen Geschichten Platz finden ' 'Artcore' erweist sich für diesen Aspekt derweil als sehr gutes Beispiel.
Mehr muss eigentlich zu dieser Platte nicht gesagt werden als ein Wort, das neben dieser Scheibe auch die momentane Leistung Edit Entertainments unterstreicht: Dope! Sicherlich ist 'Schwarzweiss in Farbe' nicht das typische Album, das man von Rappern aus Berlin erwartet, aber Gris konnte bereits in der Royalbunker Zeit sein Talent für seine wortgewandten Zeilen ausnutzen, um erinnerungswürdige Alben ('Progrisiv' und 'Kunststück') zu erschaffen. Besser geht's mit dem Comeback auf Edit Entertainment nicht, denn mit diesem hervorragenden Album beweist die Release und Künstler-Politik des Berliner Labels einen schier nicht abzunehmenden Qualitätswahn, der definitiv zu unterstützen ist. Nicht nur dieses Album gilt zu kaufen, sondern all jenes, was Edit im Jahre 2009 rausgebracht hat und noch bringen wird.