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Schwarzweißroman
 
 
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Schwarzweißroman [Gebundene Ausgabe]

Marion Poschmann
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 319 Seiten
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt; Auflage: 1., Aufl. (September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3627001249
  • ISBN-13: 978-3627001247
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13,4 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 312.271 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Marion Poschmann
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Eine junge Frau reist in den Ural, nach Magnitogorsk, diese auf dem Reißbrett entstandene Stadt der Superlative, die auf zwei Erdteilen liegt. In der ehemals verbotenen Zone steht das weltweit größte metallurgische Kombinat, einst Prestigeobjekt Stalins. Für unbestimmte Zeit besucht sie ihren Vater, der hier als Ingenieur eine Industrieanlage errichtet. Er hat sich verändert, seine Tochter spürt das sofort. Es herrscht lähmender Stillstand auf der Baustelle, die Isolation der kleinen Gruppe deutscher Spezialisten, die vom ewigen Schnee bedeckte Weite und Eintönigkeit der Landschaft nagen an den Nerven. Die gigantischen Fabriken und grauen Wohnanlagen auf verseuchtem Boden kontrastieren mit dem Existenzwillen der Menschen, erzeugen ein permanentes Gefühl von Unwirklichkeit und Machtlosigkeit, das Denken und Fühlen beherrscht. Alte Wunden brechen auf: Am Ort der ehemaligen Waffenproduktion des Zweiten Weltkriegs kann die Vergangenheit nicht ruhen. Die einen betrinken sich oder lenken sich mit russischen Frauen ab, andere wiederum verschwinden spurlos. Auch die junge Frau fängt eine Beziehung an, zuerst flüchtig, fast bewußtlos. Rußland ist nicht nur eine emotionelle, sondern eine metaphysische Herausforderung, der sie sich stellen muß. Sie spürt, daß ihr Leben in dieser feindlichen Umgebung eine neue Bedeutung erhält.

Über den Autor

Marion Poschmann, geboren 1969 in Essen, Studium der Germanistik, Philosophie und Slawistik in Bonn und Berlin. 2005 erhielt sie den Literaturpreis Ruhrgebiet für ihr Gesamtwerk. Marion Poschmann lebt in Berlin. 2011 wurde sie mit dem "Peter-Huchel-Preis" ausgezeichnet.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schnee und Stahl 28. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieser Roman überzeugt von Anfang an durch seine ungemein sinnliche Sprache. So etwas wie eine Unterweltsreise wird erzählt, eine Reise in das ferne Rußland, in die stalinistische Stahlstadt Magnitogorsk am Ural, die zugleich eine Reise in die deutsche Geschichte ist. Die Erzählerin besucht dort ihren Vater, ein Kriegswaise, der jetzt, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, als deutscher Ingenieur im Stahlwerk für den dringend nötigen Umweltschutz tätig ist. An diesem zumal im strengen Winter unwirtlichen und zugleich faszinierenden Ort, der zentralen Waffenschmiede der UdSSR im Zweiten Weltkrieg, bricht auf verschiedene Weise das Trauma der deutschen Kriegskindergeneration hervor - nur verdeckt beim Vater, offen bei der Tochter, die, gleichsam stellvertretend, diese neuerliche, nun hauptsächlich symbolische Konfrontation mit dem Tod in sich austrägt. Doch in der Begegnung mit dem jungen, leukämiekranken Russen Konstantin und dem halbkriminellen Albrecht, dem schwarzen Schaf der Ingenieursgruppe, wird diese Konfrontation auch real.
Neben dieser starken Handlung überzeugt auch die Schilderung des russischen Alltags, der lebendigen Charaktere, denen bei allen Schwierigkeiten der Humor nicht abhanden gekommen ist, und des Nebeneinanders von Umweltzerstörung und großer Schönheit in der riesigen, verschneiten Landschaft. Nicht zuletzt liest man kaum irgendwo derart intensive, dazu noch ebenso witzige wie abgründige Erotik wie an einigen Stellen dieses Buches.
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3 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
So grau, grau, grau... 16. November 2005
Von K. Kopp
Format:Gebundene Ausgabe
„Die Harmonie, die Naturschönheit, der Heldenmut“ – Sowjetassoziationen auf Kunstpostkarten, papiernes Volksgut, das niemand in der Gegend mehr zu kennen scheint, in der Marion Poschmanns Schwarzweißroman Station macht. Wir können uns vorstellen: Im russischen Zaubermärchen und Weisen zur Balalaika ist das Uralgebiet farbig und von saftiger Schönheit. Hundert Jahre ist das mindestens her, denn dann kamen Ingenieure und griffen in die Romantik ein. Die Natur wird abgetragen, verkokt und vergossen zu Stricknadeln und Bomben. Magnitogorsk, das als Industriestadt um ein Bergbaugebiet entstanden ist, macht sich keine Ehre. Der stark eisenerzhaltige rote Berg, der dem Namen Pate stand, ist längst abgetragen und Magnitogorsk hat mythische Schönheit eingebüßt, die es nie besessen hat.
So gäbe es nicht viel zu berichten, es sei denn in einem Industrieroman, der in der deutschen Literatur vor drei Jahrzehnten verstorben ist. Marion Poschmann liegt es fern, ihn wiederzubeleben, doch die glorreiche, besungene Zeit des Aufbaus hat bis zu den Umschwüngen in den neunziger Jahren tief geschürft und das Uralvolk nicht verlassen. Das ist erzählenswert, wenn auch so grau, grau, grau. Nicht die Ahnung eines Gefühls von Heimeligkeit überkommen den Leser und die Frau, die ihren deutschen Ingenieursvater und seinen beruflichen Leerlauf besucht – das ist die Nachricht des Tages. Die Stadt ist wettergegerbt von Schwermetallen, der Schwefel dringt durch alle Ritzen in getypte Straßenzüge. Wie ein Kind beim Architektenspiel sind Würfelhäuser, zylindrische Kamine und Fabriken vom Himmel gefahren – Arbeiterdenkmäler dazwischen – und haben sich geordnet. Sie haben Menschen eingeladen, in sich zu wohnen, und sie mit ihrer strengen Klarheit bis zum poetischen Wahn zu deprimieren. „Im Zimmer vertieften sich die Schatten. Nach und nach wurden dunkle Kohlehalden an den Wänden aufgeschüttet, abstrakte Formen wanderten über die Decke, wahnwitzige Quarze fielen aus der Lampe.“
Marion Poschmann, die sich mit Lyrik einen Namen gemacht hat, mag eine Affinität zum literarischen Bild haben, die sich mitunter nicht in den Roman fügt und zu lebendig in der fossilen, sterilen Umgebung wirkt. Als die Erzählende mit dem Chef des Vaters in einer Besenkammer anbandelt, geht das Uneigentliche mit ihr durch, obwohl der Sex mechanisch und maschinell ist. Da blüht es plötzlich in fremden Zimmern und Betten, die Tapeten ernähren sich gierig von der Lust und wachsen auf die sich Liebenden zu. In der Bedrückung ist niemand zu einer sinnstiftenden Handlung fähig. Wohl deshalb geschieht im Schwarzweißroman nicht mehr, als dass Zeit im Erzählen vergeht.
Damit ist sie das Highlight in Magnitogorsk, ein Farbpunkt, die im roten Mantel durch Schwarz und Weiß stelzt und sich plötzlich in ihrem Nullzustand zu Hause fühlt. „Man trinkt auf die gute Ankunft“ und auch sonst sehr viel in der betäubenden Langeweile, der das deutsche Ingenieursteam frönen muss, weil’s auf dem Bau stockt. „Die Tage vergingen folgenlos. Jeder Morgen klappte seine Kühlschranktür vor uns auf, hinter uns zu.“
Für den Uralkoller – manchmal dreht einer durch – haben sie ihre Familien in der BRD gelassen und gewöhnen sich ein. Am Abend kommen die russischen Frauen, billig und willig und „so anspruchslos“, dass sie sich für einen Koffer Glasperlen und ein Häkeldeckchen verkaufen. Die erkleckliche Ansammlung von Klischierungen – auch wenn darin die Projektionsleistung des Romans bestehen sollte – schlägt nicht positiv zu Buche. Vor lauter Russisch-Seelen-Schmalz in modernisierten Märchen geht Potenzial verloren, das in Stichworten versteckt wird und sehr realistisch ist: der Mangel an medizinischer Versorgung, die verstaubten Bronchen, die Hitze der Radioaktivität im Uralboden, der metallische Geschmack im Mund. Russen geht das nicht nah – es hat sie schon durchdrungen. Freund Konstantin wird jung sterben an der Verseuchung.
Die Sowjetgeschichte Russlands offenbart Marion Poschmann als eine unglückliche Verkettung von Katastrophen. Im Bewusstsein hat sich von Flugzeugabstürzen und Reaktorunfällen aber nur die Botschaft erhalten: Es könnte schlimmer sein – das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass der Roman damit zur Beliebigkeit tendiert und Themen großzügig verschenkt. Im letzten Viertel erweist es sich fast als interessant. Das Statische des Aufenthalts bricht ab und die Erzählerin geht auf Reisen in eine Gegend, die es – so grotesk es ist, so wahr ist es – bis vor 15 Jahren offiziell nicht gab. Einer unglückseligen Katastrophe wegen darf dem Nicht-Existenten niemand zu nahe treten. Marion Poschmanns Roman hat es offenbar leicht geschadet, sich zu sehr im Zaum zu halten und dem Sichtbaren der Stadt Magnitogorsk mehr Raum zu spendieren als notwendig. So könnte Magnitogorsk auch Eisenhüttenstadt, Bitterfeld oder anders heißen.
Ausgerechnet deshalb ist der Schwarzweißroman in Deutschland kurz nach der Veröffentlichung zu – gewiss nicht erwarteten – Ehren gelangt. Nordrhein-Westfalen verlieh Marion Poschmann den „Literaturpreis Ruhrgebiet“ dafür, dass ihr Buch das Revier in Erinnerung gerufen hat. Denn Eisen ist gut, Kohle ist gut – auch aus Deutschland. Glück auf!
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