Seit Anfang des Jahres haben die Berliner Verkehrsbetriebe zu Maßnahmen gegriffen: In kleinen Plakaten informieren sie ihre Fahrgäste darüber, wie echte Ausweißdokumente der Fahrkartenkontrolleure aussehen, drei Monate nachdem Michael Andre Werners Buch „Schwarzfahrer" auf dem Markt ist.
Schnell reagiert für so eine Behörde. Die Vorstellung, dass Gruppen von Arbeitslosen als falsche Kontrollettis marodierend durch das Berliner U-Bahn Netz streifen und bescholtenen Fahrgäste ihr sauer erschlichenes Geld abnehmen, ist aber auch zu schrecklich.
Dabei sind Kork, Zabel und Doberstein, die drei Protagonisten aus „Schwarzfahrer" äußerst liebenswürdige Freaks und wie viele Hauptstädter nur auf der Suche nach einem einigermaßen geregelten Einkommen, zwischen ruhendem Studium, Fahnenflucht und Alimentenzahlung. Und so streifen die drei durch Bahnhöfe, scheuchen (mit durchaus schlechtem Gewissen) Bettler von den Treppen, berauben sie ihres Einkommens, entlarven Spiesbürger als Schwarzfahrer und versuchen die großen Umsteigebahnhöfe zu vermeiden und somit ihre von der BVG bezahlten Kollegen. Bis sich Kork plötzlich in eines seiner Opfer verknallt...
Kurzweilig, schrecklich witzig und voller liebenswerter Skurrilitäten ist „Schwarzfahrer" natürlich die perfekte Lektüre für den öffentlichen Personennahverkehr, doch während man seinen Blick über die Mitfahrenden gleiten lässt, beginnt man es als eine Satire auf die guten alten deutschen Reflexe der Obrigkeitshörigkeit zu lesen, die immer noch so tief in den Knochen steckt, dass man drei Männern in blauen, abgehalfterten Zweite Hand Jacketts, demütig sein Bargeld in die Hand drückt. Einfach köstlich.
Achten Sie also bitte auf die Informationen ihrer Verkehrsbetriebe!