...mit einigen schönheitsfehlern. Eine Autorin mit afrikanischen wurzeln, fähige expertin aus eigenem erleben, erzählt eine story aus ihrer früheren heimat. Eine geschichte, die phantasievoll, sachkundig und mit viel liebe zum detail, alle schönheiten der fauna und flora aufleben lässt. Auch die mentalität ihrer südafrikanischen landsleute wird wohlinformiert und mit großer sympathie in unserer geschichte geschildert. Geschildert wird auch die extrem hohe krininalitätsrate in den großstädten, zum beispiel in Kapstadt, erwähnt werden auch die beruflichen erfahrungen, erfolge aber auch mißhelligkeiten (quotenfrau) einer weißen top-jornalistin. Top ist auch die gesellschaftsklasse in welcher unsere handlung abläuft, der vater ein hochrangiger geheimpolizist, die "verflossene" jugendliebe als angehender ehemann ein staranwalt. Der ehemalige gärtnerboy ein ambitionierter herzchirurg und die freunde des ehepaars Darling gehören zu den renommiertesten wildfarmern in der nachbarschaft. Superattraktiv ist auch ihre cousine Benita, die auch noch einen einflussreichen banker aus London geehelicht hat. Somit wären wir bei dem ersten schönheitsfehler, für meine begriffe zu viele superlative, weniger wäre mehr.
Ohne den inhalt vorwegzunehmen, die zentrale handlung des romans ist ein dreifachmord, begangen zur zeit der Apartheid, begangen von unserem Top-Geheimpolizisten. Unplausibel wird hier eine szene dargeboten, in der unser spitzenpolizist drei seiner nachbarn ermorden lässt, die ihn in seiner tätigkeit als folterknecht erkannt haben sollen. Nach deren hinrichtung werden die leichen auf seinem eigenen landsitz verscharrt und zu allem überfluss belässt man bei den traurigen überresten auch noch die personalpapiere. Für mich eine weiterer schönheitsfehler, die damalige südafrikanische geheimpolizei wird solche stümpereien nie geduldet haben. Auch wird sich ein hochangesiedelter agent nie so nahe seinen aus der nachbarschaft stammenden folteropfern zeigen, als daß seine tarnung gefährdet wäre, von der beseitigung auf dem eigenen grundstück ganz zu schweigen. Dieser mangel an professionalität ist unrealistisch und auch vom handlungsablauf nicht glaubwürdig.
Das bekanntwerden des verbrechens ist ein zufallsprodukt schlechthin, ein mittäter der straftat aus Durban verstirbt nach einem unfall in einer Kapstädter klinik. Vor seinem ableben erzählt er von den drei toten. Zufällig ist ein herzchirurg im selben krankenhaus, der nicht nur ebenso aus Durban stammt, sondern der ehemalige gärtenerboy unserer farm war, auf welcher die leichen beseitigt wurden. Wie der zufall es will, handelt es sich um brüder und den onkel des chirurgen. Er wendet sich an einen anwalt, dieser ist zufällig der jugendfreund unserer jornalistin, die, man ahnt es, wie der zufall es will, von eben jener farm stammt, auf der die leichen verscharrt wurden. Die jornalistin und ihre mutter glaubten jahrzehntelang, daß ihr vater und ehemann, mit einem abgeschlossenen jurastudium, bei der logistik der polizei diente... wörtlich bei der beschaffung des sockennachschubs der polizei ? Soviel naivität passt nicht zu unserer top-jounalistin und deren mutter, die über genug lebens- und berufserfahrung verfügen, diesen nonsens zu durchschauen.
Das bekanntwerden der grauenvollen tötungen verursacht einen krieg der nachbarn, der in einer brandstiftung und einer entführung gipfelt. Zufällig ergänzt wird dieses kapitel durch eine liebesgeschichte und eine, sich im verlauf der kriegerischen handlungen ergebende, noch unwahrscheinlichere herztransplantation.
Auf knapp 800 seiten erleben wir Afrika in seinen schillerndsten farben. Schillernd auch die zwischen- menschlichen beziehungen. Beziehungen die zufällig die nachbarschaft aber auch die verwandtschaft unserer protagonisten, äußerst abenteuerlich miteinander vermischen und verbinden. Südafrika ist ein so weitläufiges land, wenig einleuchtend erscheint, daß solch unterschiedliche schicksale in den weiten zwischen Kapstadt und Durban so eng verwoben sein sollten?
Fazit: unterhaltsamer, spannender liebes- und afrikaroman mit überzeichneten zufälligkeiten, handelnd in der upper-class, mitwirkende aus der mittelschicht sind selten vorhanden, domestiken, gauner, polizisten rekrutieren sich aus der farbigen bevölkerung. Lückenhaft die aufgezeigten straftaten unseres Expolizisten, ein solcher dienstgrad hat im laufe seines langen beruflebens erheblich mehr auf dem "kerbholz" als in unserer geschichte. Ein straftäter solchen kalibers ist nicht so harmlos und sympathisch wie er dargestellt wurde! Durch diese verniedlichung büßt die zentrale handlung ihre glaubwürdigkeit ein und die rolle des hauptübeltäters verliert ihre authentizität.