Dies ist der Debütroman des Autors, der als Journalist und Gerichtsreporter gearbeitet hat und ganz offensichtlich dabei zu kriminaltechnischem und polizeitaktischem Wissen gelangt ist, welches er in seinem Erstling gewinnbringend einzusetzen vermag. In großen Teilen kann Polizeiarbeit wohl so oder so ähnlich ablaufen - die Stellen des Romans, die ein wenig arg actionbeladen und heldenhaft daherkommen sind dem Genre und der Spannung geschuldet und werden absolut nicht als störend empfunden. Auch das journalistische Handwerkszeug und der im Beruf erworbene Umgang mit Sprache kommen dem Werk ersichtlich zugute. Michael Connelly ist einfach ein exzellenter Erzähler. Seine Figuren sind real und in ihrem Charakter nachvollziehbar. Er hat das Gefühl für das richtige Wort, die richtige Wendung, den richtigen Dialog am richtigen Platz. Er ist weder im Ausdruck beschränkt noch geschwätzig. Das alles liest sich einfach ganz hervorragend und wirkt - obwohl bisweilen recht spannend - auf den Leser im besten Sinne entspannend. Man freut sich einfach, wenn man mal wieder ein oder zwei Stunden Zeit hat in die Geschichte einzutauchen. Das alles gilt erfreulicherweise auch für die deutsche Übersetzung.
Kurz zum Plot: Harry Bosch, strafversetzter Ex-EliteCop, erkennt in einem toten Junkie einen Kameraden aus dem Vietnamkrieg wieder. Was wie ein Routinefall beginnt, wächst sich zu einem höchst brisanten Gemenge aus Korruption und Intrige aus, in dem Bosch gleichzeitig an mehreren sichtbaren und unsichtbaren Fronten kämpft. Besonderen Reiz erhält der Roman dadurch, dass es Connelly überzeugend gelingt, die Gedankenwelt der Vietnamveteranen, speziell der sogenannten "Tunnelratten", die die Aufgabe hatten, die unterirdischen Anlagen des Vietkong auszukundschaften und zu zerstören, darzustellen und zu beschreiben.
Ein vielversprechender Erstlingsroman, dem einige sehr gute weitere Krimis um die Hauptfigur Bosch nachgefolgt sind. Es empfiehlt sich sehr, die Bücher in der chronologischen Reihenfolge zu lesen.