Zwar bin ich (seit einigen Jahrzehnten bereits) kein Jugendlicher mehr, doch habe ich alle Bücher von Günther Bentele mit großer Freude und immer mit erheblichem Gewinn gelesen. Dies gilt ganz besonders für die vorliegende Neuerscheinung "Schwarzer Valentinstag". Es ist fürs erste ein spannendes Buch mit einer fesselnden Kriminalstory, die im fernen 14. Jahrhundert spielt. Es ist ein Buch, in welchem Geschichte unaufdringlich nahegebracht wird und frbige, oft pralle Bilder und Szenen entstehen, Zusammenhänge erkennbar werden: Die Zeit der Judenverfolgung, die entsetzlichen Pestepedemien und in erschreckender Weise wird dem Leser klar, daß die Mechanismen des Antisemitismus immer die gleichen waren und sind - Notzeiten, irrationale Furcht vor dem Fremden, Projektion eigener dunkler Seiten und dann die Suche nach Sündenböcken. Darum hat bentele sein neues Buch auch einem schwäbischen Juden gewidmet, der im Dritten Reich ermordet wurde. Was mir besonders gefällt, sind die liebevollen Zeichnungen der einzelnen Persönlichkeiten. Bentele gelingt es in hervorragender Weise, den Personen seines Buches Leben einzuhauchen, so daß alles stimmig ist: Es sind präzise psychologische Beschreibungen, genauso detailfreudig und überzeugend wie der geschichtliche Hintergrund: Da ist Christoph Schimmelfeldt, der Hauptakteur, mit dem wir leben, leiden und fiebern. Doch genauso lieb gewann ich sein Alter Ego, den Gaukler Philo, das jüdische Mädchen Esther usw. Es sind Personen, die man liebgewinnen, aber auch hassen kann, wie etwa die Kaufleute Schwarber, Dopfschütz - Biedermänner und Brandstifter gleichermaßen. "Schwarzer Valentinstag" ist ein Buch, das allen Altersklassen zu empfehlen ist, denn jede Leserin, jeder Leser werden für sich etwas finden, das sie ganz persönlich anspricht und fesselt. Es ist spannend, unaufdringlich lehrreich und es führt uns in eine geheimnisvolle Zeit, die vergessen zu sein scheint. Denn eigentlich hätte aus dem gelernt werden müssen, was damals geschehen ist, und es ist dennoch wieder geschehen - letztlich unbegreiflicher Haß auf eine Minderheit und ihre Vernichtung. Günther Bentele hat ein Buch geschrieben, das sich mit seinem Vorgänger "Wolfsjahre" messen kann, für das er immerhin den Friedrich-Gerstäcker-Preis erhalten hat.