VORNEWEG: Es ist unbedingt zu empfehlen, Band 1, DIE FLÜSSE VON LONDON; gelesen zu haben, ehe man sich an den SCHWARZEN MOND ÜBER SOHO wagt, weil einen sonst die schiere Fülle merkwürdiger Fakten und das gewaltige „Personalaufkommen“ erschlägt. Rund 50 (!) mehr oder weniger menschliche Gestalten wuseln durch diesen Roman. Sie haben auf verschiedenste Weise miteinander zu tun werden demzufolge auch immer wieder erwähnt. Man sollte schon wissen, wer wer ist, um der Story folgen zu können. Leicht ist das nicht!
WAS MAN WISSEN MUSS: Die Geschichte spielt im London der Gegenwart. Constable Peter Grant, Sohn eines weißen, drogensüchtigen Jazzmusikers und einer aus Afrika stammenden Putzfrau, arbeitet bei einer geheimen Spezialeinheit der London Metropolitan Police, die sich mit übernatürlichen Ereignissen beschäftigt. Diese Einheit, genannt „Folly“, besteht aus zwei Personen: Der Chef ist DCI Thomas Nightingale, der nur so aussieht wie ein Mann um die 40, in Wahrheit aber Jahrgang 1900 ist. Für einen Magier nichts Ungewöhnliches. Der zweite Mann ist Zauberlehrling Peter Grant, der junge Polizist aus einfachen Verhältnissen, der bis vor kurzem noch gar nichts von seinem magischen Potenzial ahnte.
Die beiden Männer leben und arbeiten in einer alten Londoner Villa, zusammen mit Hund Toby, der spüren kann, wenn Magie im Spiel ist, und mit Haushälterin Molly, die nicht wirklich der menschlichen Rasse angehört. Sie spricht nicht, altert kaum, hat mehr Zähne als normal wäre und eine Vorliebe für rohes Fleisch. In diesem Band erfahren wir, wie Molly ins Folly kam.
Nach einer Schussverletzung, die er sich in Band 1 zugezogen hat, ist DCI Nightingale noch sehr geschwächt, und so bleibt der Löwenanteil der Arbeit an Azubi Peter hängen. In nichtmagischen Angelegenheiten hilft ihm gelegentlich seine Kollegin Constable Lesley May, die derzeit wegen einer schweren Gesichtsverletzung, die sie sich im letzten Fall zugezogen hat, im Krankenstand ist.
DIE AKTUELLEN FÄLLE: Derzeit beschäftigt sich das Folly mit einer ungewöhnlichen Häufung plötzlicher Todesfälle unter Londons Jazzmusikern. Der Kryptopathologe Dr. Abdul Haqq Walid, bekennender Schotte, hat Nightingale und Grant hinzugezogen. Auch Walid ist imstande das Vestigio, die Spuren, die magisches Treiben auf Gegenständen hinterlässt, wahrzunehmen. In diesem Fall erklang jedes Mal die Melodie eines Jazzklassikers aus den 30-er Jahren, BODY AND SOUL, wenn man sich über eine der Leichen beugte. Das ist ja auch nicht gerade normal.
Die polizeilichen Ermittlungen führen tief hinein ins Gangstermilieu. Dort geht es nicht nur um Drogen und Korruption, dort treiben Gestalten ihr Unwesen, die sich mit wesentlich fieseren Angelegenheiten beschäftigen. Da graust es sogar Peter Grant, und der ist einiges gewöhnt.
Auf einmal gibt es eine Querverbindung zu einem anderen Fall, den das Folly schon länger an der Backe hat: In den Clubs von London ist eine exotische Schöne unterwegs, die ihren Begleitern mit ihrer Vagina dentata das beste Stück abbeißt.
Kein Zweifel: Es ist schwarze Magie im Spiel. Aber wer übt sie aus? Schwer zu sagen. Niemand hat je das Gesicht des Schwarzmagiers gesehen. Auf einem Dachgarten in der Berwick Street kommt es schließlich zum hochdramatischen Showdown zwischen dem Folly und dem gefährlichen Unbekannten …
WAS ES SONST NOCH ZU SAGEN GIBT: Nicht alle Fälle, an der Peter Grant und Thomas Nightingale derzeit arbeiten, werden in diesem Band geklärt. Ein Fall löst sich auf tragische Weise, ein anderer wird uns schätzungsweise in den Band 3 begleiten. Genau wie die Fragen, die noch immer nicht beantwortet oder in diesem Band erst aufgeworfen wurden. Wer offene Fragen nicht scheut und sich mit einer komplexen, skurrilen Geschichte voll schrägen Humors anfreunden kann, bei der man am Schluss tatsächlich Mitleid mit Monstern und Massenmördern bekommt, dem seien die Abenteuer von Constable Peter Grant und seinen Kollegen ans Herz gelegt.
Die trockenen, teilweise schwarzhumorigen Dialoge sind überaus unterhaltsam. Ich-Erzähler Peter Grant, der sich für alles und jedes interessiert und nur seine Zauberübungen langweilig findet, kommt von Hölzchen auf Stöckchen und lässt keine Gelegenheit aus, über die Zustände in London oder Großbritannien im allgemeinen abzulästern. Irgendwie ist man hier permanent am Grinsen.
So schrill und abgefahren macht Urban Fantasy selbst solchen Lesern Spaß, die das Genre sonst nicht mit der Feuerzange anfassen würden. Nur, wie gesagt, das hohe Personenaufkommen ist ein bisschen anstrengend. Da kann man schon mal die Orientierung verlieren und den einen oder anderen Hinweis verpassen, weil man auf die Schnelle nicht weiß, wer dieser oder jener Kerl nun wieder ist.