Ich hatte vor geraumer Zeit den 1. Teil der "Herren der Unterwelt" gelesen und fand ihn ganz unterhaltsam. Also habe ich mir auch den 2. Teil vorgenommen und war entsetzt.
Sind diese beiden Bücher tatsächlich von ein- und derselben Person geschrieben worden?
Zum Inhalt: Lucien ist der Anführer der Herren der Unterwelt und trägt den Todesdämon in sich. Er bekommt von Cronos, dem Big Boss der Titanen, den Auftrag, Anya, eine Halbgöttin, zu töten, oder Cronos wird sauer und tut seinen Gefährten weh. So weit, so gut.
Das Problem ist nur, Lucien und Anya begegnen sich und sind auf der Stelle heiß aufeinander. Und zwar immer, egal, wann, wo und unter welchen Umständen sie sich begegnen. Selbst als sie auf Leben und Tod miteinander kämpfen, werden sie so scharf, dass sie kaum noch an sich halten müssen. Also beschließt Lucien kurzerhand, dass er Anya doch nicht umbringt, sondern sich lieber verliebt. Bitte, das ist kein Scherz. Ich habe es jetzt so grob zusammengefasst, aber im Endeffekt ergab sich das genau so. Da war nicht einmal irgendein Hinweis, warum sich sowohl Anya als auch Lucien so zueinander hingezogen fühlen, außer dass gelegentlich ihre attraktiven Attribute beschrieben werden und etwa alle zwei Seiten der geneigte (und nicht so geneigte Leser) etwas über Anyas Erdbeerduft erfuhr.
Okay, die beiden merken, dass sie sich doch ganz gut verstehen und wollen zusammenarbeiten. Lucien muss die Hydra finden und töten und ein wertvolles Artefakt, damit er Cronos ein bisschen besser kontern kann. Der Plot selbst ist eigentlich locker in zwanzig Seiten zusammenzufassen, doch es muss ja die ganze Zeit ein Hin und Her zwischen unseren Turteltauben geben. Hach, ich bin so heiß auf ihn, aber ich habe ja noch nie gepoppt und darf es auch nicht, weil ich dann sofort an ihn gebunden wäre... Hach, ich bin so heiß auf sie, aber ich darf sie ja nicht poppen, weil sie sonst an mich gebunden wäre und überhaupt... Hach und hach und hach und gäääääääääähn!
Ist echt ermüdend und auf dem Niveau vom Dr.-Sommer-Team. Es wird noch schlimmer. Anstatt sich erst mal um ihre Aufgaben zu kümmern, "apparieren" die beiden alle gefühlten 5 Seiten irgendwohin, wo sie erst mal in Ruhe zur Sache kommen können, auch wenn sie nicht ganz ernst machen. Eher eine Art Hardcorepetting. Versteht mich nicht falsch, ich lese Sexszenen so gern wie jeder andere, aber wenn alle paar Seiten die eigentliche Handlung nur dafür unterbrochen wird, nervt das gewaltig.
Selbst als der Mann schon halbtot ist, kann sie ihn natürlich nur retten und von ihrer "Lebensenergie" abgeben, wenn sie es miteinander treiben.
Zwischendurch auf insgesamt ca. 15 Seiten fällt der Autorin übrigens noch mal ein, dass sie ja wenigstens die anderen mal kurz erwähnen sollte und schludert zwei winzige Episoden mit Paris und Reyes hin. Herzlichen Dank, darauf hätten wir dann auch noch verzichten können.
Am allerschlimmsten jedoch ist wirklich der Schluss. Da dachte ich wirklich, sie hat die letzten zwei Seiten aus dem kitschigsten und schleimigsten Liebesroman kopiert, der je geschrieben wurde. Da wurde ständig ein "Ich liebe dich" hin- und hergesäuselt, dass es zum Abschrecken war.
Fazit: Der zweite Band konnte nicht halten, was der erste versprach. Er war grottig und lieblos geschrieben und nur was für Leute, denen es peinlich ist, in der Öffentlichkeit "echte" Sexbücher zu lesen. Außerdem habe ich mich gefragt, ob das Buch jemals einen Lektor gesehen hat. Es wimmelte von Rechtschreib- und Kommafehlern und allein das macht schon ein großes Ärgernis aus.