Viel zu sehr wurde bisher genau dieses Thema des Holocaust vernachlässigt, nämlich nicht "nur", *was* passiert ist, sondern auch *warum*, welche Vorgeschichte der merkwürdige Rassenmystizismus der Nazis hatte. Rüdiger Sünner hat dankenswerterweise genau diese Lücke endlich geschlossen, indem er für einen sehr gut recherchierten und für ein breites Publikum verständlichen Film gedreht hat. Helena Blavatsky, Jörg Lanz von Liebenfels, Guido von List - sie leisteten mit ihren mystischen Schwärmereine und Phantastereien gewissermaßen die "Vorarbeit" für das, was dann in der allgemein bekannten Katastrophe 1933-1945 endete. Warum aber nur vier Sterne? Leider, leider ist der Film "Schwarze Sonne" meiner Meinung nach nicht ganz vollständig, denn mit keinem Wort geht Sünner auf zwei weitere wichtige Vorabeiter der Rassenmythologie ein, nämlich den französischen Schriftsteller Arthur de Gobineau (1816-1882) und den englisch-deutschen Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain (1855-1927). Das wäre aber aus meinem Dafürhalten unverzichtbar gewesen, um das Anliegen des Filmes - die Wurzeln, Ursprünge und Vorläufer des Rassenwahns der Nazis aufzuzeigen - vollständig zu machen. Deshalb nur vier Sterne. Aber dennoch ist "Schwarze Sonne" ein empfehlenswerter Film, gerade auch z.B. im Schulunterricht.