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Sofort wirft die Leiche für Sejer Fragen auf. Warum zum Beispiel ist die kleine Ida nicht mit ihrem Trainingsanzug und ihren Schuhen bekleidet, mit denen sie das Haus verließ, sondern trägt ein weißes Nachthemd? Ist wirklich der in sich gekehrte Sonderling Emil Johannes für das Verbrechen verantwortlich, wie alle glauben? Aus diesem spannenden Plot hat die norwegische Bestseller-Autorin Karin Fossum wieder einen Krimi gebastelt, der an Spannung kaum noch zu überbieten ist. Es ist schon erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, ihr Spannungsniveau nach Dunkler Schlaf oder Stumme Schreie noch einmal zu steigern. Schwarze Sekunden jedenfalls wird seine Leser über mehrere Stunden fesseln und auch danach noch eine Weile beschäftigen. Beste Krimi-Unterhaltung, die ein sensibles Thema angemessen fasst. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Schon am Anfang der Geschichte stellt sie dieses Können unter Beweis. Die unendliche Angst einer allein stehenden Mutter, dem nicht nach Hause gekommenen Kind könnte etwas zugestoßen sein, vermittelt die Sprecherin so intensiv, dass man meint, die Angst selbst zu spüren. Auch die anderen Menschen, die im Umfeld der verschwundenen, kleinen hübschen Ida, eine Rolle spielen, werden eindringlich psychologisch porträtiert: Tomme, der Cousin, der exakt an dem Abend, an dem Ida verschwunden ist, einen Unfall hatte, ist eigentlich nur an Computerspielen und an seinem Opel interessiert. Und da ist auch noch der irgendwie behinderte Emil, der mit seinen 52 Jahren nicht spricht und auf seinem Dreiradmoped durch die Gegend fährt. Seine Mutter, die auf ihn aufpasst und bei ihm sauber macht, hat sich im Laufe des Lebens mit ihrem Schicksal abgefunden. Schließlich noch Kommissar Sejer; der auf eine seltsame Art in dieses düstere Leben passt. Sein bedächtiges, an sich selbst häufig zweifelndes Wesen schenkt ihm sozusagen als Kehrseite der Medaille eine ganz besondere Begabung: Sejer sieht deutlicher und mehr, und er findet in seinen Ermittlungen oft einen Zugang zu verschlossenen Menschen, der anderen verwehrt bleibt. Unvergesslich ist, wie er den autistischen Emil dazu bringt, mit Bauklötzchen seine Geschichte zu erzählen.
Seit 1995 schreibt die Norwegerin Karin Fossum Kriminalromane mit der unauffälligen Figur des Kommissar Sejer. Ihre Romane Evas Auge, Fremde Blicke und Wer hat Angst vorm bösen Wolf wurden große Erfolge. Karin Fossums Markenzeichen ist das exakte Zeichnen von psychologischen Hintergründen. Erfahrungen hierfür sammelte sie u.a. auch bei ihren Jobs als Taxifahrerin oder Verkäuferin, bei ihrer Arbeit in Heimen und Krankenhäusern.
Nina Petri ist eine einfühlsame Interpretin dieses Stoffs. Die Schauspielerin ist aus zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen bekannt. Sie besuchte die Westfälische Schauspielschule in Bochum und spielte in so bekannten deutschen Filmen wie Happy Birthday, Türke, Lola rennt und Bin ich schön. Nina Petri wurde mit dem Deutschen und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Sie liest den Psycho-Krimi mit Empathie und schlüpft in die Rollen regelrecht hinein. Die psychologischen Motive der einzelnen Personen vermittelt sie überzeugend und glaubwürdig. In ihrer erstklassigen Interpretation stellt sie die Perspektiven der Figuren in den Vordergrund und sich selbst angenehm in den Hintergrund.
Fazit: Ein raffinierter Krimi mit viel psychologischem Gespür und differenzierter Spannung. Und eine professionelle, spannungsreiche Krimi-Lesung, die zeigt: Es muss nicht immer das Hörspiel sein.
Lesung, Spieldauer: ca. 309 Minuten. Auch als MC erhältlich (3899403630). -- culture.text
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Interessant und gleichzeitig faszinierend ist die sprachliche Aufbereitung der Geschichte - die Wortwahl nordisch karg, ohne ausschmückende, lebendige Attribute; ständig jedoch präzise, von brillianter Klarheit und unglaublicher Intensität. Da wird das alleinige Lesen bereits ohne die Wertung des eigentlichen Inhalts zum Hochgenuss! Hier ist jemand am Werk, der bewußt auf Oberflächlichkeiten und Sensationsdarstellungen verzichtet, sondern allein durch Wortgewalt und die enorme Schlagkraft der einfachen, sprachlichen Darstellung den Leser begeistern kann.
Insgesamt ein Buch, das sich seine vier Sterne vor allem durch sein schriftstellerisches Niveau und die unspektakuläre, aber doch gekonnte Verarbeitung des Inhaltes "Tod eines kleinen Mädchens" verdient. Auffällig, das man solch anspruchsvolle, sprachliche Darstellung häufig bei schriftstellerischen Erzeugnissen aus dem skandinavischen Raum antrifft. Ein Buch, von dem der "Sensations-Leser" die Finger lassen sollte, welches dem Freund des kunstvoll und ausdrucksstark geschrieben Wortes allerdings gefallen wird.
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