M. Crichton ist es gelungen, aus dem Reisebericht eines arabischen Gesandten des 10. Jahrhunderts und dem "Beowulf"-Mythos eine spannende Geschichte zu spinnen. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Arabers Ibn Fadlan geschildert, der tatsächlich im frühen 10. Jahrhundert auf einige Nordleute stieß und ihre seltsam-fremden Sitten und Gebräuche schilderte. Chrichton schildert, was sich hätte ereignen können, hätte sich Ibn Fadlan den Wikingern aufgrund einer Prophezeihung angeschlossen, um mit ihnen im Norden das Reich des Königs Rothgar düsteren Gestalten entgegenzutreten, die nachts im Schutze des Nebels Rothgars Heimstatt verwüsten. Wie angelsächsischen Lesern vielleicht leichter bewußt wird, spielt Crichton hier mit den Elementen des Beowulf-Epos, was auch schon durch die Wahl der Namen angedeutet wird: So heißt der Anführer der Wikinger Belowyf (im Original: Beowulf), einer seiner Gefolgsleute Herger (statt Hengist), und die Unwesen, die aus dem Nebel kommen, heißen Wendol (statt Grendel). Die knappe Sprache, die vielen historischen Feinheiten und Crichtons "Anmerkungen" zu fraglichen Passagen seiner angeblichen Vorlage - einem Manuskript Ibn Fadlans - sowie die umfangreiche Literaturliste schaffen eine derart gute Illusion, daß augenscheinlich viele Leser dem Autoren auf den Leim gehen - trotz Vorbemerkung des Verlages und solcher Klopse wie die Aufnahme des fiktiven "Necronomicons" H. P. Lovecrafts in die Literaturliste. Diese Perfektion spricht allerdings nur für den Autoren, der hier sein sicherlich ungewöhnlichstes Werk vorgelegt hat. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)