Um es kurz zu machen: Zeuske hat mit diesem immerhin 654 Seiten starken Buch ein Standardwerk zur karibischen Geschichte veröffentlicht, an dem sich jeder messen lassen muss, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.
Zeuskes Untersuchung über die Karibik, die sich in großem Maße auf Kuba stützt, zeigt deutlich die Rolle der Karibik als Teil der Globalisierung. Die Sklaverei und die Plantagenwirtschaft prägten bei weitem nicht nur Kuba und die anderen karibischen Inseln - sie prägten die gesamte Welt. In einer mehrjährigen Forschungsarbeit hat Zeuske viel Material über die Entwicklung der Sklaverei zusammen getragen. Das umfangreiche Quellen- und Literaturverzeichnis belegt eine umfassende Beschäftigung mit der Thematik.
Da sich Zeuske bewusst auf Kuba und seine Entwicklung fokussiert, ist man anfangs versucht, zu glauben, er würde andere Regionen, wie gerade Santo Domingo vernachlässigen. Aber es zeigt sich, dass Kuba innerhalb der Karibik eine ganz besondere Stellung einnimmt. Kuba besaß vor allem im 19. Jahrhundert eine "Weltstellung", die sich auf die Sklaverei stützte. Kuba war Jahrzehnte lang eine dominierende ökonomische Macht - nicht nur in der Karibik!
Deutlich wird, dass Kuba, dass die Karibik, ein wichtiger Teil der Weltgeschichte sind. Immerhin entstand auf Kuba die erste Boomwirtschaft der zweiten Globalisierung: eine Großlandwirtschaft mit industrieller Disziplin.
Der Autor untersucht nicht nur rein ökonomische Entwicklungslinien, er geht auch sehr detailliert auf die Sklaven und die Skalvereikultur ein - zeigt damit, welche komplexe Entwicklung in der Karibik stattgefunden hat, die sie zu einem wichtigen Faktor in der Globalisierung gemacht hat. Zeuske findet für die Globalisierung eine kurze, aber treffende Charakterisierung: "Schön ist diese Globalisierungsgeschichte nicht, obwohl sie natürlich eminent kreative Potenzen freigesetzt hat." (S. 35). Dieser kurze Satz macht eigentlich deutlich, dass es hier um mehr geht, als um bloße Faktensammlung. Ganz deutlich wird die Rolle der Sklaven in diesem Prozess dargestellt, dabei aufzeigend, dass diese Rolle nicht nur eine passive gewesen ist!
Das Buch ist natürlich kein Roman, sondern ein wissenschaftliches Werk, dass sich aber trotzdem gut lesen lässt.