Ich finde, es kann nicht genug Bücher geben, die sich psychischen Störungen und Krankheiten widmen. Was ich an diesem Buch besonders wertvoll fand, war, dass es von jemandem geschrieben ist, der Mediziner und Betroffener in einer Person ist. Wertvoll fand ich es zum einen wegen der Mischung aus medizinischen und alltagspraktischen Informationen, die das Buch enthält. Zum anderen bewirkt die doppelte Perspektive als Arzt und als Patient meiner Ansicht nach eine besondere Art von Reflexivität.
Gut fand ich auch, wie vermittelt wird, dass Depression eine Krankheit ist, mit der man umzugehen lernen muss. Es ist keine Krankheit, von der man mit Sicherheit sagen kann, ob, wann und wie oft sie wieder kommt oder ob man "geheilt" ist. Als Mensch mit entsprechenden Anlagen ist man gut beraten, sich eine gewisse Kompetenz im Umgang mit Depressionen aneignen und das Buch zeigt diesbezüglich die wichtigsten Ansatzpunkte auf (Medikation, Psychotherapie, Psychohygiene/Entspannungsformen) und einige zusätzliche von denen ich noch nichts wusste (Stichwort Psychoneuroimmunollogie .. also: Viren als Auslöser).
Allerdings merkt man dem Buch m.E. an, dass es von jemandem geschrieben wurde, der selbst während der Zeit des Schreibens von einer Depression betroffen war und es sich "abgerungen" hat. Ein sorgfältiges Lektorat wäre wichtig gewesen, denn z.B. die relativ häufigen Fehler und das unsystematische Literaturverzeichnis machen einen etwas unprofessionellen Eindruck. Dies ist aber vielleicht auch eher dem Verlag als dem Autor anzurechnen.
Insgesamt ist es ein Buch, das ich durchaus empfehlen würde, weil es mir einige Anregungen gegeben hat, kaufen allerdings werde ich es mir nicht (ich habe es mir ausgeliehen).