Howard Ellis, schwarzer Anwalt in Los Angeles, ist vor allem durch Prozesse bekannt geworden, die er für schwarze Mandanten gegen Polizeiwillkür führte. Nun ist er, kurz vor einem neuen spektakulären Fall, ermordet worden, und mit ihm eine unbeteiligte Frau, die zufällig am Tatort war.
Harry Bosch wird der Fall übergeben; damit sitzt er im Minenfeld zwischen der Polizei und den Medien einerseits: Die Öffentlichkeit verlangt möglichst schnell einen Täter, am liebsten einen Polizisten, und Harry muss bei den Kollegen ermitteln - "das Nest beschmutzen" -, aber auch andern Spuren nachgehen, was den Medien nicht passt. Und er sitzt andererseits zwischen einer Vielzahl von Abteilungen, die mitmischen: Stadt- und Kriminalpolizei, FBI, Staatsanwaltschaft, eine unabhängige juristische Beobachterin - und alle haben den einen oder andern Grund, irgend etwas zu verheimlichen, zu vertuschen, zu verschleiern. Verdächtige werden wie Schachfiguren hin- und hergeschoben, Sündenböcke werden ausgesucht und wieder verworfen, bis Harry eine ganz neue Spur entdeckt. Doch auch diesmal wird seine Arbeit wieder boykottiert, werden hinter seinem Rücken den Medien andere Spuren serviert. Auch Harry selbst geht nicht immer geradlinig und ganz legal vor.
So gesehen ist eigentlich Spannung garantiert, aber zwei Dinge hindern die Geschichte, sich wirklich zu entfalten: Da ist zum einen die Menge von Abteilungen oder Polizeireferaten (wie immer in Großbuchstaben abgekürzt) mit jeweils einigen Mitarbeitern, was es dem Leser schwer macht, den Durchblick zu bekommen, bzw. den Lesefluss hindert, weil man nachblättern muss. Auch die ständige Doppelung stört: Harry macht mit Kollege X eine Entdeckung, teilt das Ergebnis Chef Irving oder Kollegen Y und Z mit, so dass dem Leser dassselbe Geschehen ein paar Mal präsentiert wird. Dieser Sachverhalt hätte stilistisch besser gelöst werden können; andere Bände der Reihe beweisen, dass der Autor es kann.
Natürlich leidet der Protagonist am gleichen Syndrom wie seine literarischen Kollegen zwischen England, Schweden und Sizilien und in Harrys eigenem Land: Der Beruf hat oberste Priorität, ihm opfert man Privatleben, Familie, Schlaf und Gesundheit. Dass da nicht viel Zeit für Traurigkeit bleibt, wenn die Frau das Haus verlässt, ist logisch.
An dem Thema "Rassismus und Gewalt" ist das Buch als Krimi letztlich gescheitert. Dadurch, dass der Autor sich so sehr bemüht, nahe an der Realität zu schreiben, gleichzeitig mit dem Problem kämpft, immer und in jedem Abschnitt die Ausgewogenheit beizuhalten beschneidet er dem Buch und sich selbst zahlreiche fiktionale Möglichkeiten, die ein Krimi braucht.
Gut zu wissen, dass es vor und nach diesem Harry-Bosch-Krimi bessere in der Reihe gibt.