"Schwarze Diamanten" ist die dritte Episode in einer Reihe niedlicher Provinz-Romane, die uns der englische Journalist und Frankreich-Fanatiker Martin Walker jeweils pünktlich zur Sommerszeit unterjubelt. Damit zielt der Autor genau auf die richtige Saison, in denen seine Bruno-Romane zu lesen sind: die warme Jahreszeit macht uns empfänglich für anständige, beschwingte und leichtverdauliche Geschichten die in Gegenden spielen, die in uns Erinnerungen an unbeschwerte Ferien wachrufen.
Daran ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Ich habe die ersten beiden Bruno-Romane mit Vergnügen gelesen und den dritten Band mit Vorfreude gekauft. Leider muss ich nach der Lektüre feststellen, dass dem belesenen und kultursinnigen Bildungsbürger Walker bereits jetzt langsam aber sicher die Ideen auszugehen scheinen. Dabei ist ihm mit dem pittoresken Provinzkaff Saint-Denis im Périgord im tiefsten Frankreich eine beschaulich-schöne Kulisse gelungen, die er bedachtsam mit lustigen, skurrilen und doch lebensechten Menschen ausstaffiert hat; Menschen, denen man in den Bruno-Romanen immer wieder gerne begegnet, an deren Geschicken man Anteil nimmt und mit denen man ganz gerne ein bisschen leidet und ihnen noch lieber bei ihnen alltäglichen Verrichtungen über die Schulter schaut - eine Art "Lindenstrasse" in Sichtweite des Atlantiks.
Nun bringt es das Genre, das Walker eigentlich als Tummelplatz seiner literarischen Versuche gewählt hat, nämlich der Kriminalroman, halt so mit sich, dass hie und da ein wüster Mord zu geschehen hat und dass die vielen guten und treuen Freunde mit vereinten Kräften ein paar wenige hinterhältige Bösewichter zu jagen haben, die die Idylle in niedrigster Weise stören - zumindest so lange der Autor sie dies tun lässt, bevor er dann irgendwann genug hat vom Schreiben und seinen Helden den Fall unter dem Applaus des Fussvolks lösen lässt.
Eigentlich möchte Walker ganz offensichtlich nicht Krimis schreiben, sondern vielmehr Werte vermitteln, das kulturelle Erbe Europas schützen, die guten Menschen über die Widrigkeiten des Lebens obsiegen lassen, Landschafen feiern und der zarten Liebe seiner Protagonisten soviel Raum geben als sie braucht um in den unendlichen Weiten des Menschengeschlechts zu flackern und zu wärmen.
Leider aber hat sich Walker darin verbissen, Krimis zu schreiben, wohl mehr aus marketingtechnischen Aspekten denn aus echter Berufung. Und so streut der englische Geniesser, der seit langem in Frankreich lebt und das den Franzosen bis an sein Lebensende danken wird, viele Ingredienzen in seine Geschichte ein, damit sie sich zum vielschichtigen Kriminalroman entwickle in welchem sich die Geschichte Frankreichs mit moderner Politik, Ökologie, illegaler Einwanderung, diebischen Betrügereien auf dem Trüffelmarkt und niedrigen sexuellen Instinkten verwebt. Zum Schluss weiss man gar nicht mehr, welches eigentlich der Haupterzählstrang Walkers sein soll. Man erlebt ein Wechselbad zwischen den Untiefen pseudoromantischer Stimmungsromane und den Höhen realistischer und präziser Menschenbeobachtung: Schund und glänzende Erzählung, Schaumschlägerei und berührende Schilderung liegen stets nahe beieinander.
Ein eigenartiger Roman - er unterhält, ist aber nie spannend, er ergreift manchmal sogar und ist dennoch schnell vergessen. Trotz allem sind mir die Figuren Walkers ans Herz gewachsen und ich gebe es gerne zu: ich werde den nächsten Roman wieder kaufen und das nur, um wieder der versammelten Truppe dieser eigentümlich sympathischen Franzosen zu begegnen, die das Herz am rechten Fleck haben und ihren Dorfpolizisten Bruno von Erfolg zu Erfolg tragen.