Die Pluspunkte der "Suche" sind schnell ausgemacht: Die Handlung und die geschilderten Orte sind recht variabel geschildert, darüber hinaus gelingt Ina Kramer der Spagat zwischen dem "mittelalterlichen" Aventurien (Salza, die auftretenden Nebenpersonen) und dem mystischen Anteil der Fantasywelt (die Riesin Yumunda, Levthan) durchaus. Zudem wird dem Leser die Welt der Hexen anschaulich und interessant nähergebracht. Zwar läßt die Autorin zur Verbesserung der Atmosphäre dabei manchmal die Regelkompatibilität vermissen, aber das sei ihr großzügig verziehen. Leider ist die Beschreibung der Thorwaler etwas zu eingleisig geraten, denn daß die Nordmänner abergläubische, saufende und prügelwütige Barbaren sind, dürfte jedem DSA-Kundigen klar sein. Anstatt der immer wieder aufs Neue wiedergekauten Stereotypen hätte ich mir etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht, um den (thorwalschen) Charakteren etwas mehr Tiefe zu verleihen. Was mich aber wirklich an "Die Suche" stört, ist die immer wieder auftretende, bis zum Erbrechen lächerliche, verniedlichende Sprache, die mich an altmodische Kinderbucherzählungen des 19. Jahrhunderts denken lässt ("Und wie keck sich ihr Näschen doch aus dem Gesicht reckte! Und wie rot ihre Bäckchen strahlten!"-Schema). Teilweise war ich mir wirklich nicht sicher, ob Ina Kramer einen DSA-Roman schreiben oder das Erbe der Gebrüder Grimm antreten wollte! Absolut unnötig, da diese Passagen auch überhaupt nicht zur Steigerung der Atmosphäre beitragen und wirklich nur nervig sind.
Zum Glück sind die aufgegriffenen Ideen recht unkonventionell und interessant, so daß am Ende letztlich doch noch ein recht passabler Roman zustande kommt. Trotzdem sind "Die Löwin von Neetha" und "Thalionmels Opfer" besser.