Der Roman "Eiswolf" erzählt die Geschichte einer Expidition auf der Suche nach einem magischen Artefakt, die im ewigen Eis des aventurischen Nordens strandet. Die Handlung des Romans ist in Aventurien, der Welt des größten deutschen Fantasy-Rollenspieles "Das Schwarze Auge", angesiedelt. Eine Vorab-Kenntnis dieser Welt ist manchmal hilfreich, aber nicht zu letzt aufgrund des guten Glossars nicht notwendig.
Um das Genre noch etwas zu detaillieren, da auf Aventurien vieles möglich ist: Horror, Low-Fantasy (dazu gleich mehr), Drama.
Die Story: Eine Expidition strandet durch ein Unglück im ewigen Eis. Nicht nur die Gefahr des Winters setzt den Teilnehmern zu, denn nach und nach wird die Expidition durch mysteriöse Mordfälle dezimiert. Die Autorin schafft mehrere Dinge auf sehr gute Weise. Zum einen den Thrill, das Horrorelement, der Geschichte gut an den Leser zu bringen. Die Basis der Geschichte ist ja einfach und aus Film und Literatur bekannt (kleine Anzahl von Protagonisten sind durch äußere Begebenheiten gefangen und werden nach und nach umgebracht). Zum Teil basiert die Spannung auf Suspence-Elementen, zum Teil ist es aber auch schockartiger Horror. Die Autorin bringt dem Leser diesen Horror durch die Augen des Hauptprotagonisten perfekt nahe. Gewissermaßen hat man so sogar an einer Vergewaltigung teil. Nichts für schwache Nerven. Über lange Zeit weiß man nicht, wer oder was diesen Horror, die Dezimierung der Gruppe, erzeugt. Einer von der Gruppe selbst oder eine Bedrohung von außen?
Das bringt mich zum zweiten Punkt, den die Autorin meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt hat: Die Action! Als der Ursprung des Horrors erkannt wurde (eine tolle Erkenntnis übrigens, ich als alter DSA-Hase habe es leider vorher nicht erraten können, war aber sehr positiv überrascht), nimmt die Handlung aktionreich Fahrt auf und kommt zu einem furiosen Finale.
Der dritte Punkt des Lobes ist das toll dargestellte Setting. Der Hintergrund, nämlich die frostige Landschaft, wird sehr gut beschrieben. Dies war auch der Hauptgrund, warum ich mir dieses Buch gekauft habe. Ich leite eine Kampagne, die zurzeit in eisigen Zonen spielt und brauchte ein wenig Inspiration und Hintergrundwissen und -beschreibungen. Diese habe ich mir von "Eiswolf" erhofft. Volltreffer! Die Autorin muss sich über Eis- und Schneelandschaften und die Gefahren darin sehr gut informiert haben.
Viertens fand ich die Interpretation der Firnelfen toll. Nicht nur das Einflechten der Winterlichter-Sippe in die laufende Handlung, die genial gelungen ist, sondern auch die Darstellung der Charaktereigenschaften der grim´feye ist einfach klasse. Facettenreich, fremdartig, mystisch, aber auch verletzlich, manchmal geradezu ängstlich und abergläubisch werden sie dargestellt. Auch der Einsatz ihrer zauberischen Fähigkeiten haben mich erfreut.
Zu dem Horrorursprung, dem Feind also, kann ich leider nicht viel sagen, ohne zu spoilern. Deshalb: Großartig, einfach und genial.
Die Charaktere:
Obwohl es sich hier nicht um eine Buchreihe handelt, schafft es die Autorin, einem die handelnden Personen charakterlich so nahe zu bringen, dass man zu jedem intuitiv eine ziemlich genaue Vorstellung hat. Es wird natürlich auch mit vielen stereotypen gearbeitet, was aber verständlich ist (die Matrosen sind eben typische Seefahrer und die Söldner typische Mietklingen) und der Handlung keinen Abbruch tut.
Insbesondere Tjulf, der Medikus gefällt mir sehr gut und hat auch zum Ende des Buches eine großartige Überraschung parat. Die Hesindegeweihte kommt mir etwas blass daher.
An dieser Stelle merke ich noch an, dass es sich bei dem Buch, auch wenn es durchaus voll von Magie, himmlischem Wirken und anderen Fantasy-Mittelchen ist, eher um eine Geschichte im Low-Fantasy-Bereich handelt. Vor allem deshalb, weil die Charaktere keine mächtigen und erfahrenen Helden sind, sondern eher Anfänger mit bescheidenen Mitteln. Des Weiteren durchlebt man zu großen Teilen ein Drama, bei dem es eher um die menschlichen Aspekte einer schrecklichen Bedrohung geht und nicht um magische Schwerter, mit denen man diesen begegnet.
Obwohl ich eher ein Fan von High-Fantasy und sword&sorcery bin, hat mich das Buch und vor allem die Charaktere vollends überzeugt.