Nachdem das deutlich flexiblere Baukasten System In der Güldenland-Box ihren Pre-Launch, in der 4.0 Version den (mehr oder weniger) gelungenen Start hatte hier also das Hardcover. Endlich, möchte man sagen, denn das schöne Buch macht schon was anderes her als die alten Boxen, die mit der Zeit ohnehin zusammengelegt, gefleddert und ausrangiert wurden. Ein Buch flach zu lagern ist einfach unpraktisch.
Die schöne Optik (OK, ist Geschmackssache) des Covers zieht sich übrigens durchs gesamte Buch hindurch. Schön, ansprechend und mit vielen sehr gelungenen Illustrationen versehen. DSA bläst zum Großangriff auf blitzende Blendwerke wie D&D und Co.
Gutgut, was haben wir also von der 4.1 Version des schwarzen Auges zu erwarten? Rein regeltechnisch nicht viel Neues. Ein paar kleine Stellschräubchen hier und da, aber wer schon mal DSA gespielt hat weiß, wie's geht. Egal, ob 5, 7 oder jetzt 8 Eigenschaften. Egal, ob mit oder ohne schlechten Eigenschaften, das System ist unkaputtbar weil es einfach simpel und leicht verständlich ist.
Das Gleiche gilt im Grunde auch für den Baukasten, wenn man denn mal kapiert hat, dass Rasse, Kultur und Profession (mehr oder weniger) frei wählbar sind und dann im Grunde nach gewissen Schablonen Charaktere zusammengeschraubt werden. Gänzlich ohne Würfel. Herrlich!
Hier ist das Ganze freilich in abgespeckter Version, ist ja auch das Basisregelwerk. So sind nichtmenschliche Rassen eher kümmerlich bis gar nicht bedacht, deren Kulturen entsprechend. Wer es bei dem Basisregelwerk belassen will, ist damit recht günstig bedient und erhält tatsächlich ein umfassendes Werk, das sowohl Talente, Kampf, Magie und allgemeine Regeln nebst Charaktergenerierung, eine kurze Regionalbeschreibung und ein kleines Bestiarium beinhaltet.
Etwas eigenartig kommt es für mich rüber, dass ich als alter midgard Spieler beim Studium der 4. Edition gar so viele Deja-Vus hatte. Keine Stufenregelung, Steigerungen werden direkt mit Abenteuerpunkten bezahlt, Lehrmeister müssen gefunden werden, Steigerungen kosten folglich auch Geld... all diese Neuerungen hab ich doch im älteren System schon mal gehört...
Unterm Strich bleibt ein hervorragendes Buch, das das Rad nicht neu erfindet, aber das schwarze Auge auf jeden Fall qualitativ aufwertet. Optisch Richtung D&D, inhaltlich Richtung midgard. Wer zu viel Geld hat, kauft sich noch die weiterführenden Regeln in den Wege-Bänden (Helden, Schwert, Zauberei, Götter). Diese sind leider qualitativ deutlich unter dem vorliegenden Basisbuch.